FAUN – XV – Best of (CD-Kritik)

FAUN

Mit über 1000 Konzerten, Chartplatzierungen in den Top Ten, Echo Nominierungen und Gold & Platin Auszeichnungen gehören FAUN nicht nur zur weltweiten Elite der Folk und Mittelalter Ensembles, sondern ihnen gelingt es wie kaum eine andere Gruppe die zeitlose Magie der alten Klänge dem heutigen Publikum so zu verdeutlichen und begreifbar zu machen. Mittlerweile sind 15 Jahre seit der Veröffentlichung ihres Debütalbum „Zauber- sprüche“ (2002) ins Land gezogen. Für die deutsche Pagan-Folk-Gruppe alle Male Grund genug, um auf ihr bisheriges Schaffen zurückzublicken. Passend zu diesem Jubiläum bringen FAUN jetzt am 16. Februar 2018 ihre allererste Werkschau unter dem Titel „XV – Best of FAUN“ auf den Markt. Auf der regulären CD präsentieren die Pagan-Folker 16 Songs, die den Hörern nicht nur über 70 Minuten Hörgenuss bescheren, sondern zudem auch noch drei Remake-Versionen älterer Songs und zwei brandneue Songs enthalten.

Uns liegt die „Deluxe Edition“ mit 26 Titeln vor. Es gibt noch die kürzere „Jewel Version“ mit 16 Titeln. Die Trackliste offenbart ein erstaunliches Überge- wicht der Alben der letzten sechs Jahre. Eine kleine Zählung zeigt: Von den letzten drei Alben sind allein 16 Titel auf dem Best of Album. Hinzu kommen noch zwei komplett neue Titel, davon einer zusätzlich in englischer Sprache. Das sind 19 Titel allein aus den letzten sechs Jahren. Die neun Jahre davor werden von gerade mal 7 Titeln vertreten, wobei von den Alben „Zaubersprüche“ und „Totem“ keine Lieder genommen wurden. Das Mischungsverhältnis scheint unausgewogen und mir stellt sich die Frage, wieso?

Mit dem Album „Von den Elben“ (2012) traten FAUN in eine neue Welt ein — die Welt von Universal, des großen Music Business, und dessen anderen Verfahrensweisen der Vermarktung, dem Umgang mit MusikerInnen und ihrer Musik. FAUN ist dadurch nicht schlechter geworden, aber musikalisch anders, eingängiger und erfolgreicher. Dieser Musik ist es zu wünschen, welches sie viele Ohren und Herzen erreicht. Wer FAUN live erlebt hat, weiß, wie bezaubernd sie auf der Bühne sind und mit welchem Charme sie ihre Lieder zelebrieren. So auch ihren ständigen Begleiter „Wind & Geige“, welches 2004 das erste Mal auf „Licht“ die Welt erblickte. Ohne „Wind & Geige“ ist ein FAUN-Konzert nicht denkbar. Für das „Best of“-Album bekam es ein neues Gewand als „Wind & Geige XV“ — weniger rau, dafür lieblicher und recht verträumt. Die Soli wurden deutlich verändert und im Gegensatz zur ursprünglichen Version mit Halleffekten unterlegt. Eine weitere Veränderung ist natürlich die andere Stimme von Laura Feller, die im Jahr 2017 die Stelle von Katja Moslehner einnahm. Ein weiterer Titel, der für dieses Album noch einmal neu produziert wurde, ist „Rosmarin XV“. Einstmals auf dem Album „Renaissance“ (2005) zu hören, erhält der Titel durch bessere Aufnahmetechnik und Abmischung mehr räumliche Tiefe. An der Struktur des Liedes wurde nur wenig geändert. Es ist und bleibt ein wunderschöner Titel. Akustische Instrumente und dann solch „exotisch-historische“ wie z.B. eine Nyckelharpa sind für Tontechniker immer eine große Herausforderung, sie möglichst perfekt aufzunehmen, ohne ihren natürlichen Klang zu beeinträchtigen. Das mag wohl auch ein Grund gewesen sein, nur wenige der früheren Aufnahmen auf dem Album zu platzieren, als auch die zwei Neuaufnahmen zu produzieren, weil der qualitative Unterschied der älteren Aufnahmen verglichen mit den neueren Werken bezüglich der Technik recht auffällig ist. Was richtig stark rüber kommt, ist „Tinta“ von dem Live Album „FAUN & The Pagan Folk Festival“ von 2008, weil in diesem Titel die Bandmitglieder vorgestellt werden. FAUN erlebte im Laufe ihrer Bandgeschichte einen kompletten Wechsel fast aller Bandmitglieder bis auf das Gründungsmitglied Oliver „SaTyr“ Pade. So ist „Tinta“ nicht nur eines der älteren Stücke, sondern auch eine Reminiszenz an frühere Bandmitglieder. Brandneues Material präsentieren FAUN mit den beiden Titeln „Feuer“ und „An die Geliebte“. Im Tempo einer Ballade spielt „Feuer“ auf heutige weltpolitische Geschehnisse an. Stilistisch bewegt sich dieser Titel weit aus der Pagan-Folk Ecke heraus, was u.a. an der Sangestechnik und Stimmfärbung von Laura Fella liegt, die in diesem Titel voll zum Einsatz kommt — ein recht ungewohnter FAUN Titel. „An die Geliebte“ wird zärtlich unterlegt mit Harfenspiel und schwebt traumgleich auf der FAUN-typischen Art und Weise in Herz und Seele. Unveröffentlichte Live-Versionen von „Hymne der Nacht“, „Blaue Stunde“, „Odin“ — unterstützt von Einar Selvik — und „Iduna“ werden als weitere Spezialitäten geliefert. Unter diesen ist „Odin“ hervorzuheben. Die hypnotisierende und dramatische Wirkung dieses Titels ist insbesondere auf Konzerten fantastisch. Ebenso ist „Iduna“ vom Album „Eden“ (2011) mit seinen orientalischen Elementen ein grandioses Stück auf der Bühne. Als weitere Vertreter der Vergangenheit FAUNs treten „Egil Saga“ an, das zusammen mit „Wind & Geige“ auf dem Album „Licht“ (2004) zu hören ist. An „Egils Saga“ wird deutlich, dass FAUN in früheren Zeiten einige elektronische Zutaten benutzten, die auf den aktuelleren Aufnahmen so nicht mehr zu hören sind. Das „historische“ und akustische Instrumentarium hat sich vielmehr erweitert. Das „Sigurdlied“ vom „Buch der Balladen“ (2009) beschließt folgerichtig den Reigen der Pagan-Folker durch ihre bewegte Geschichte.

Fazit: FAUN hat Pagan-Folk populär gemacht. Hinter jedem Album steckt eine Idee, ein thematischer Schwerpunkt, der sich zwischen Mythologie, Fantasie und historischem Liedgut bewegt. Diesen thematischen Kontext kann ein Best of Album nicht verfolgen. Bei der Deluxe Version sind Schwerpunkte auf den beiden CDs gelegt. Die erste CD beginnt mit „Diese kalte Nacht“ und endet mit „Hymne an die Nacht“. Dazwischen sind Titel, die überwiegend als „Hits“ bezeichnet werden, können z.B. „Walpurgisnacht“ und „Tanz mit mir“, die auf JEDER Mittelalterparty gespielt werden. Die zweite CD beinhaltet u.a. die älteren Stücke, Live-Aufnahmen und einige nicht deutschsprachige Werke, was ihr viel eher den Charakter eines Rückblicks, einer Werkschau gibt. Wer danach Ausschau hält, sollte sich an die „Deluxe Version“ halten. In diesem Sinne sind die Titel „Wenn wir uns wiedersehen“ und „Von den Elben“ auf der zweiten CD programmatisch, denn sie verkünden dem Verständigen, wo wir uns hier befinden: In einer fantastischen Welt der Mythologie, die erst in dem Augenblick erschaffen wird, in dem der erste Ton erklingt. In dieser (heidnischen) Welt gibt es Götter, Helden, überirdische Liebe, Tierwesen u.v.m.. FFAUN spielen Pagan-Folk der neuen Zeit mit den Instrumenten der alten, veredelt durch moderne Tontechnik. Mit diesen Mitteln bauen sie ihren Klangkosmos als verwunschenen Garten Eden, der als Parallelwelt zu der Unsrigen existiert, aber nicht in der Vergangenheit. Das umfangreiche CD-Booklet mag der Reiseführer in diese Welt sein.

Tracklist:

CD1

01. Diese kalte Nacht
02. Federkleid
03. Feuer
04. Buntes Volk (Michael Rhein)
05. Tanz mit mir (Santiano)
06. Rosmarin XV
07. Alba II
08. Sonnenreigen (Lughnasad)
09. An die Geliebte
10. Rabenballade
11. Walpurgisnacht
12. Wind und Geige XV
13. Von den Elben
14. Hörst du die Trommeln
15. Tinta (live)
16. Hymne der Nacht (live)

CD2

01. Andro II
02. Rosmarin XV
03. Tinta (Live)
04. Wenn wir uns wiedersehen (Edit)
05. Mac Beth
06. Blaue Stunde (Live)
07. Hymn To Pan
08. Fire
09. Odin (Live)
10. Egil Saga
11. Von den Elben
12. Iduna (Live)
13. Sigurdlied

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VÖ: 16.02.2018
Genre: Mittelalter, Pagan-Folk
Label: We Love Music (Universal Music)

FAUN im Web:

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