Vogelfrey – In Extase (CD-Review)

Vogelfrey

Seit nun mehr 13 Jahren beehrt uns die Folk-Rock-Truppe Vogelfrey aus Hamburg mit feinstem Liedgut. Im Winter 2003/2004 wurde die Band von den Brüder Jannik (Gesang) und Dominik Schmidt (Schlagzeug) gegründet. 2010 folgte allerdings erst das erste Album „Wiegenfest“, dem folgten 2012 „Zwölf Schritte zum Strick“ und 2015 „Sturm und Klang“. Und das alles dank dem „Local Heroes“ in ihrer Heimatstadt. Neben un- zähligen Konzerten wurden auch eine Viehlzahl an Festivals bespielt. In den letzten zwei Jahren richteten sie sogar das bandeigene „Sturm und Klang“ Festival aus. 2017 haben Vogelfrey nun ihren nächsten Coup vollbracht.

Jetzt erscheint am 29.09.2017 das brandneue vierte Werk „In Extase“. 11 brandneue Stücke sind drauf, wie die klingen, erfahrt Ihr jetzt. Der Opener „Crystal Met“ ist auch zugleich die erste Auskopplung aus dem neuen Werk. Pfeilschnell braust es da auf, prescht nach vorne, eine düstere Atmosphäre und Mystik umgeben das Liedlein. Die Lobeshymne auf den Met quasi aus den Tiefen der Labore der Kreierer. Richtig geile Hymne, die eindeutig ein neuer Ohrwurm und Live-Favorit der Jungs und ihrem Mädel wird. Natürlich auch ein sehr geniales Wortspiel. Da geht es definitiv nicht nur um Met an sich. Tolle Metaphern, toll gemacht und geht gut ab! Auch der „Mittelalter Rockstar“ geht gut ab und macht Stimmung. Mittelalter / Folk Rock Rockstars sind Vogelfrey schon längst. Vielleicht ein sehr audiobiografischer Text gar. Genial ist der Text so oder so. Hier wird perfekt die aktuelle Situation des Musikmarktes widergespiegelt. „Der Meister“ präsentiert sich aufbäumend, dominant, gewaltig, unbesieg- bar. Eine neue musikalische Bandbreite wird hier versucht. Kommt auch recht gut an muss ich sagen. Im Refrain etwas befremdlich, aber dennoch gut gemacht. Lyrisch wie immer einwandfrei. Halt ein etwas rauherer Geselle, der Meister. „Rauschpfeife“ fällt nicht nur namentlich auf, sondern auch musikalisch. Hier mischen sich Folk, Jazz und Reggae. Verrückte Mische ja, aber sehr genial. Eine Jazz-Atmosphäre mit Reggae-Hintergrund. Sehr witzig und verdammt smooth muss ich sagen. Ich sehe die Band vorm geistigen Auge in schwarz-weiß, mit bunten Sequenzen, in einer Mischung aus Anzug und Reggae-Aufzug. Dadurch wird es noch witziger! Umso düsterer ist danach der „Heiland“. Eindringlich, monumental, höchst geniale Lyrik, geile Atmosphäre, episch, mystisch. Und leicht melancholisch. Sehr betörend! Gegen Ende wird es sogar richtig biestig brutal. „Tanz für mich“ ist natürlich ein direkter Aufruf an die tobende Masse, die sich den feinen Klängen der Vogelfreyen hingeben. Hier kann man lieben, tanzen, leben. Hauptsache genießen! Auch der „Maskenball“ lädt zum Feiern ein und berauscht nach den ersten Sekunden. Russische Folklore mischt sich mit höchst genialer Lyrik und feiner düster-glänzender Atmosphäre. „Wach im Traum“. Alleine schon der Name ist poetisch und berührend. Das Lied an sich ist es auch. Eine wahre Zierde für die Ohren! Eines der genialsten Stücke der CD! Die „Berserkerwut“ erinnert an den „Berserker“ der aktuellen Harpyie-CD. Ärgert die beiden Bands sicher nicht. Berserker passt zu beiden Liedern. Und nein, Vogelfrey haben sich nix abgeguckt. Im Gegenteil, sie gehen das sogar viel brutaler an. Hier geht es sogar etwas back to the roots of Vogelfrey. „Mondsucht“ ist mein absoluter Oberoberfavorit. Poetisch, gigantisch, berührend, packend, lyrisch höchste Klasse, musikalisch einfach nur top. Mein Geheimtipp! Mal eine etwas andere Interpretation des Kinderlieds. Es folgt der „Abgesang“. Hoffen wir, dass es nicht das Ende der Band einläutet. Laut Text könnte man es fast meinen. So schmerzt es gleich noch mehr. Vorerst endet nur die CD. Viel zu früh. Dafür aber phänomenal! Einfach nur mega!

Fazit: Der Name des neuen Werkes trifft es verdammt gut. Grob geht es in fast allen Liedern um Extase. Man erlebt sie überall anders. Und auf verschiedenste Arten. Jeder tut´s auf seine Weise. In jedem Fall ist es ein sehr betörendes, berauschendes, abwechslungsreiches Werk. Teilweise back to the roots, mal aggressiv, mal nachdenklich, mal fordernd, mal betrübt. Wie die Phasen in einem Rausch. Einfach ein starkes, viertes Album. Hoffentlich kommen mehr. Der Abschluss gibt einem schon zu denken! Was auch passiert: tanzt, feiert, liebt, trinkt, tut was ihr wollt! Euer Leben, Eure Zeit. Nutzt sie, ihr habt nur diese eine! Von der wir wissen…

Tracklist:

01 Crystal Met
02 Mittelalter Rockstar
03 Der Meister
04 Rauschpfeife
05 Heiland
06 Tanz für mich
07 Maskenball
08 Wach im Traum
09 Berserkerwut
10 Mondsucht
11 Abgesang

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VÖ: 29.09.2017
Genre: Folk Metal
Label: Metalville (Rough Trade)

Vogelfrey im Web:

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