Schandmaul – Leuchtfeuer (CD-Review)

Schandmaul_Album_kleinSchandmaul sind jetzt 18 Jahre alt. Erwachsen, nach gängiger Definition. Aber was heißt das schon? Ist damit die Aufbruchsstimmung und Angriffslust von „Orleans“ gemeint? Auf zu großen Taten, hinaus ins Leben? Wohl auch. Aber das ist nichts Neues für die Freunde aus dem Münchner Vorort Gröbenzell, denn 18 wird man nicht über Nacht, sondern in 18 Jahren. Die Spielmänner und -frauen sind Stück für Stück gewachsen. Und auch wenn sich der Markt gerade ihren Künsten entgegen- zustrecken scheint, mit dem Folkrock-Hype von Bands wie Mumford & Sons und modernem Fantasy-Kult wie Game Of Thrones, haben Schandmaul doch längst auf eigene Faust die Welt erobert: Auf Hunderten Konzerten mit bis zu zehntausend Gästen wie am Kölner Tanzbrunnen. Und auf ihrem eigenen „Funkenflug“-Festival in München ebenso wie beim Metal-Open-Air in Wacken und den großen Gothik- oder Mittelalter-Treffen weit und breit.

Zwei Jahre nach ihrem mit Gold dekorierten, über 100 000 Mal verkauften Platz-2 Chartalbum „Unendlich“ und ausverkauften Tourneen, legen die glorreichen Sechs mit Hörnern, Posaunen, Trompeten und mehr als einem ganzen Streichorchester voll mitreißendem Übermut und voller Entschlossenheit nun am 16. September 2016 mit ihrem neunten Studioalbum Leuchtfeuer nach. 13 brandneue Tracks sind drauf. Sehr stark mittelalterlich rockend beginnt „Orleans“ die große Fahrt. Die Schandmäuler beweisen erneut, wie schön sie Geschichten erzählen können und die Beschreibung in der Einleitung oben zu dem Lied trifft es perfekt. Tolles Lied, toller Start für die große Fahrt 2016! Folkig, fidel, leichtfüßig, lebensfroh, toll erzählt, pfeilschnell. So präsentiert sich die ansteckende Hymne „Heute bin ich König“. Lasst Euch mitreißen und Thomas´ Worten Taten folgen. Das kurze, knackige, lustige, extrem folkige, wunderschön erzählte „Jack O´ Lantern“ erhellt danach den grauen Alltag. Direkt im Anschluss präsentiert sich das Herz- und Titelstück „Leuchtfeuer“, welches gleichzeitig als Single veröffentlicht wurde, mit klasse Video versehen. Herzlich vorgetragen, Seemanns-Folk-Rock, elegisch, leicht balladesk, nachdenklich. Und es erzählt eindrucksvoll, woher die Scheibe ihren Namen hat. „Schachermüller-Hiasl“ ist eine nette Folk Rock Nummer, die mit starker Tavernen-Atmosphäre daher kommt, mit tausenden Litern Herzblut, Fernweh, Sehnsucht und toller Lyrik gespickt. Der arme Kerl tut einem echt leid. Sehr bewegend und Mitgefühl anregend! „An deiner Seite“ ist eine kleine feine Sonntagmorgen-Ballade, die einfach nur tief berührt und die Sonne in Herz & Seele bringt. Feines Liedlein, das nur von Gesang, Gitarre, Geige und Flöte lebt. Umso lockerer und lebensfroher kommt dann „Freunde“ daher. Hier dürfen sich alle mal selber feiern und einfach mal frei sein. Tanzt, liebt, springt. Man darf das Stück als kleines Dankeschön an die Fans auffassen. Besser wurde Freundschaft noch nicht besungen! „Ich werde alt“ sagt alles, da muss ich nix zu sagen. Anhören, nachdenken, tanzen! Eine Perle passend zum 18. Geburtstag der Band. Absoluter Favorit! Im Anschluss wird die „Loreley“ besungen, die jeder kennen sollte. Getragen, traurig, wunder- schön, klasse erzählt, zerbrechlich. Tolle Perle! Stolz und herrlich präsentiert sich der „Herr der Wellen“. Eindrucksvoll erzählt, tolles Ritual, starker Seemanns-Rock. Auf der „Cold Hands Seduction Vol. 180“ findet sich der Song auch. Weiterer Favorit! Am meisten heraus sticht „Tjark Evers“. Ein tieftrauriges, wunderschönes Klavier und eine zarte Geige leiten das Ganze ein. Bedächtiger, nachdenklicher Gesang gesellt sich dazu. In dieser Kombo bleibt es auch, nur wird das Klavier stellenweise dramatischer. Dramatisch trifft es gut, das Lied zerreißt einen einfach. Großartig gemacht, klasse umgesetzt, weiterer Favorit! Es präsentieren sich noch 2 Singles. Die erste ist ein wunderschönes, balladeskes, elegisches Duett mit Tarja Turunen! Ich bin absolut begeistert, die Frau kann klasse deutsch, der Song ist einfach nur geil! „Zu zweit allein“ nennt sich das Ganze. Die dritte und letzte Single im Bunde ist „Zeit“. Mich erinnert sie an das „Traumtänzer“-Album. Einfach nur traumhaft, Thomas beschreibt das echt super. Lasset auch hier den Worten Taten folgen, lasst Euch mit fort nehmen. Leichtfüßig, sehnsuchtsschwer, Fernweh, folkig. So wird es vorgetragen. Ein besseres Ende gibt es nicht!

Fazit: Niemand kann Geschichten so schön und eindrucksvoll erzählen wie Schandmaul! Auch auf Album Nummero 9 ist das so. Sie sind nachdenklicher, ich möchte nicht unbedingt reifer sagen, geworden. Die Texte regen zum nachdenken an, entführen einen, nehmen den Hörer mit in einem starken Boot zu besseren Ufern. Dann kann er leben, frei sein, er selbst sein. Dass das Thema Alter und altern hier die Hauptrolle spielt, zieht sich wie ein roter Faden durch jedes einzelne Lied und ist deutlich spür- und hörbar. Dennoch kann auch hier gefeiert, getanzt, gelacht und getrunken werden. Die Krüge werden einfach auf das Leben erhoben und ich kann es nur noch einmal betonen: lasst Euch von Thomas Lindner leiten, Lebensratgeber ist diese Platte allemal! Damit ende ich, bedanke mich bei der Band für dieses spitzen Werk, empfehle sie jedem Fan und Neuling, bedanke mich für die Aufmerksamkeit, sage bis bald und stay tuned!

Tracklist:

01 Orleans
02 Heute bin ich könig
03 Jack O‘ Lantern
04 Leuchtfeuer
05 Schachermüller-Hiasl
06 An Deiner Seite
07 Freunde
08 Ich werd‘ alt
09 Loreley
10 Herr der Wellen
11 Tjark Evers
12 Zu zweit allein [feat. Tarja Turunen]
13 Zeit

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VÖ: 16.09.2016
Genre: Folk-Rock, Deutschrock, Rock
Label: We Love Music

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