REICHSFEIND – Living in Space (CD-Review)

REICHSFEIND

REICHSFEIND kommt aus dem Umland Frankfurts und wurde Anfang 2011 als dunkel-elektronisches Einmannprojekt gegründet. RF vereint sphärisch-verträumte Sounds und treibende Rhythmen mit Texten über menschliches Versagen und Einzelschicksale. Ein Bastard aus träumerischen Sehnsüchten und rohem Nihilismus. – Der Name – Reich und Feind: Zwei Begriffe, die wohl bei jedem Menschen in erster Linie äußerst negative Assoziationen hervor- rufen. Ein Name als Wort des Widerstands gegen ethnische, religiöse und politische Verfolgung; eine Anregung zur Reflexion. Die Welt ist nicht schwarz-weiß. Love music. hate racism. (Quelle: Reichsfeind). Klingt ja alles schon mal sehr gut für einen Newcomer.

Am 24.11.2017 erscheint das Debüt-Album „Living in Space“ mit 12 Tracks und 4 Remixen. Wie das alles klingt, erfahrt Ihr jetzt. Das Herz- und Titelstück „Living in Space“ macht den Anfang und ich finde, die Thematik wird musikalisch super wieder gegeben. Dunkel-romantische, weltraumartige Musik mit feinem dunklen wohltuenden Gesang. Durchaus guter Opener! Ich würde es grob als Synthie Cold Wave bezeichnen mit leichten Pop Elementen. Wobei die Genres eigentlich echt nebensächlich sind. Es ist gute elektronische Musik mit feinem Gesang, fertig. Kleiner Minuspunkt: auf die Länge von 6:16 Minuten hätte ich mir mehr Abwechslung im Text gewünscht. Abgesehen davon aber echt top. „Soulpaint“ ist definitiv auch passend, denn es bringt tatsächlich etwas Farbe in die Seele. Im Grunde eine gemütliche Synthie-Sonntags-Perle. Es ist technisch gut gemacht. Das Lied könnte auch im Radio laufen. „Harbringer“ gefällt mir da schon etwas besser. Melancholisch, gefühlvoll, eingängig, etwas dunkler. Technisch wieder top, aber mir fehlt da einfach was. Wir hören nun die allererste Single „Detox“. Das erste Lied, das mir vom Sound her wirklich sofort gefällt. Strenger Gesang, EBM, dunkler Elektro, gute Bässe, gute Geschwindigkeit. Durchaus einer Auskopplung würdig! Nur muss darauf geachtet werden, dass der Gesang nicht unter geht in den Bässen wie hier. Stellenweise versteht man RF nicht. Ansonsten aber durchaus empfehlenswert! Auch „Fill the Void“ gefällt mir richtig gut. Tolle mitreißend packende Elektronik, super tanzbar, toll gesungen. Feine Ballade! Auch „Far from Home“ punktet auf Anhieb. Man hat das Gefühl, das Album wird nach hinten raus besser. Wieder sehr geniale top Elektronik, klasse Gesang, prima Atmosphäre, eingängig, melancholisch. „Dilemma“ sticht auf Anhieb sofort heraus. Eine feine leichte Piano-Note geleitet nämlich diese dunkel-romantische Perle. „The cold Spell“ fällt da in ein ähnliches Schema. „The Shape“ sticht dann wieder etwas mehr heraus durch eine Mischung aus dunkel-romantisch, gefühlvollem Gesang und kurzen aggressiven Vocals. Wunderschönes Teil! „Mountains“ klingt dann auch wieder anders als der Vorgänger. Und es passt zu Bergen. Nein, es ertönt kein Musikanten-Stadl. Sondern eine warme, wundervolle Atmosphäre mit feinster Elektronik und tollem Gesang. Und die Thematik wird prima umgesetzt. Wie ein sonnengefluteter Spaziergang in den Bergen. „Carrousel“ hingegen besticht durch Cold Synthie Pop Wave mit monotonem Sprechgesang und auch eingängigem Gesang. Auch hier wieder super umgesetzt. Gegen Ende wird es sogar aggressiver. Gute Mischung! Beim Abschluss der regulären Tracks, namentlich „You are not here“, wird es noch mal obercool. Dark Wave, Cold Wave, elektronisch verzerrter Gesang, bisschen Neo Folk, hammer Atmosphäre. Richtig schön old school und dunkel-romantisch. Der Remix-Pott startet mit „Mountains (Rob Dust Remix)“. Toll gemacht, macht Stimmung, tanzbar, beide Künstler verschmelzen. So muss das! Der nächste ist „Fill the Void (Maneater Remix)“ und klingt gar nicht mehr wie das Original. Vielmehr stampft es jetzt, hat ordentlich mehr Druck und ist verdammt tanzbar. „Carrousel (Kayfabe Lanoise Remix)“ ist dem Original sehr ähnlich, Kayfabe hat nur ein paar mehr kleine elektronische Spielereien eingebaut. Kayfabe müsste man übrigens noch von Wynardtage und Hydroxie kennen. Auch „Far from Home“ wurde von Kayfabe Lanoise überarbeitet. Jetzt ist es deutlich elektronischer. Auch gut gemacht und ein würdiger Kandidat für den Ausklang! Damit endet das Album nämlich.

Fazit: Also es ist wirklich nach den ersten etwas für mich unvollständigen Anfängen ein echt tolles Debüt geworden. Elektronisch verzerrter Gesang, abwechslungsreich, gefühlvoll, tanzbar – was will man mehr! Und Tiefgang hat das alles sowieso. Durchaus ein Debüt, das sich hören lassen kann! Noch auf ein paar oben genannte Details achten, dann wird das hier eine richtig große Sache!

Tracklist:

01 Living in Space
02 Soulpaint
03 Harbinger
04 Detox
05 Fill the Void
06 Far from Home
07 Dilemma
08 The Cold Spell
09 The Shape
10 Mountains
11 Carrousel
12 You Are Not Here
13 Mountains (Rob Dust Mix)
14 Fill the Void (Maneater Remix)
15 Carrousel (Wynardtage Kayfabe LaNoise Remix)
16 Far from Home (Wynardtage Kayfabe LaNoise Remix)

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VÖ: 24.11.2017
Gerne: Electronic/Alternative
Label: Equinoxe Records

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