Erik Cohen – Weisses Rauschen (CD-Review)

Nachdem die Kieler Hardcore-Heroen von Smoke Blow 2014 entschieden, keine Alben mehr zu veröffentlichen, machte sich ihr Fronter und Schreihals Jack Letten seine Gedanken. Er entschied sich für ein Solo-Projekt, nannte das ganze Erik Cohen und begann mit der Arbeit an Songs. Im Gegensatz zu Smoke Blow wird hier komplett auf deutsch gesungen. Ein weiterer Bruch: hörte man beim Abschieds-Album von Smoke Blow noch brutale Härte, darf es hier auch weniger brachial zugehen. „Hit-Rock“ hat der Mann im Sinne. Rocksongs, die im Gedächtnis bleiben sollen. Dazu gehört eine ordentliche Portion Pop, den man von anderen Legenden kennt. Die 5-Track-EP „Kapitän“ und das letztjährige Album „Nostalgie für die Zukunft“ wurden bereits veröffentlicht, auf Tour war er auch schon.

Jetzt erscheint am 15.01. das brandneue Werk „Weißes Rauschen„. Darauf vertreten sind 10 brandneue Songs. Es beginnt sehr gemächlich und eingängig mit dem Hit „Hier ist nicht Hollywood“. Schon als Jacks Stimme einsetzt, wird einem klar, dass er wirklich auch richtig singen kann. Toller Song, toller Text, klasse Atmosphäre, eingängig, einprägend, starker Text, starker Einstieg! Gleichzeitig noch die erste Vorveröffentlichung versehen mit coolem Clip. Noch eingängiger, richtig gefühlvoll und mit richtig feinem Rock präsentieren sich „Deine Dämonen“. Bewegender Text, tolle Rhythmik, richtig gute Klänge, ergreifende Stimme. Mehr braucht es nicht. Mit „Nur ein Herzschlag“ kommt eine nette Country Blues Sad Rock dazu, was dem ganzen eine nette Abwechslung gibt und sehr gut zur Thematik passt. Genau so wundervoll liegt auch das „Schattenland“ dar, eine perfekte Autofahr-Hymne. Das macht wirklich richtig Spaß! Auch die Lyrics können sich richtig gut hören lassen. Richtig melancholisch und extrem gefühlvoll wird es dann bei „Regen“. Genau dieses Lied passt zu verregneten Tagen, trostlos mit tausenden Litern Herzblut und starken Lyrics. „Totenspinnengeist“ ist DIE rockende Drecksau der Platte. Düster, gruselig, packend, eingängig, einfach verzaubernd! „Neues Blut“ passt sich dem perfekt an und legt sogar noch paar Schippen drauf. „Der heilige Gral“ hingegen punktet durch pure Ehrlichkeit, bitterbösem Humor, Abrechnung und richtig geilem Text. „Tapete“ macht da keinen Unterschied, es ist einfach das lustigste der Stücke! Wir sind leider Odins beim letzten Song angekommen. Immerhin nennt sich der „Das gute Gefühl“, welches man definitiv beim hören hat. Das versüßt einem den Abschied. Hier wird noch mal richtig fett gepunktet. Würdiger Abschluss!

Fazit: Es war die beste Idee Herrn Lettens, solo weiter zu machen. Der Mann hat es einfach drauf, er ist ein höchst begabter Sänger und ein klasse Musiker. Mich begeistert vor allem, dass es das totale Gegenteil von Smoke Blow ist. Starke Texte, coole Lyrics, Sarkasmus, Ehrlichkeit, verschiedene Stile starken Rocks, fantastische Stimme, etliche Lebensbereiche und -situationen werden abgeklappert – einfach ein rundum starkes Album, das wirklich punktet und sau gut ankommt! Hier ist für jeden etwas geboten, hier kommt keiner zu kurz. Ich freue mich auf weiteres Material.

Tracklist:

01 Hier ist nicht Hollywood
02 Deine Dämonen
03 Nur ein Herzschlag
04 Schattenland
05 Regen
06 Totenspinnengeist
07 Neues Blut
08 Der Heilige Gral
09 Tapete
10 Das gute Gefühl

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VÖ: 15.01.2016
Genre: Doompop / Rock
Label: RYL NKR Recordings

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