Diorama – Zero Soldier Army (CD-Review)

dio_flyer_zsa_17Seit der Gründung im Jahr 1996 haben die Reutlinger nicht nur über 200 Konzerte und Festivals weltweit gespielt, sondern gelten auch als eine der innovativsten Instanzen der düsteren Musikszene. Dreieinhalb Jahre nach ihrem letzten Longplayer „Even the Devil doesn’t care“ (2013), welches wochenlang in den Top 3 der Deutschen Alternative Charts war, kehren die deutschen Dark Wave Künstler um Sänger, Songschreiber und Produzent Torben Wendt und seinen langjährigen Weggefährten und Co-Produzenten Felix Marc nun mit ihrem 9. Studioalbum „Zero Soldier Army“ an die musikalische Front zurück. Vom explosiven Eröffnungstrack „ZSA“ bis zum surrealen Ausklang „Stay undecided“ zelebriert die Band ihre charakteristische Mischung aus Dark Electro, Indie und Progressive Rock. „Die Songs sind in einer Zeit immer vertrackter werdender globaler Krisen bei gleichzeitigem Erstarken zunehmend fanatischer National- ismen und anderer Wahnvorstellungen entstanden“, erklärt Sänger und Mastermind Torben Wendt. Um die Wartezeit zu verkürzen, präsentieren DIORAMA bereits Mitte August ihr neues Musikvideo, das mit dem Sänger Boris May vom Elektronik-/ Industrial-Projekt Klangstabil in der Nähe von Leipzig gedreht wurde, zum Song „ZSA“, den Opener von „Zero Soldier Army“.

Am 09.09.2016 kommt nun also das von den Fans schon sehnsüchtig erwartete neue Meisterwerk Zero Soldier Army, welches mit 12 brandneuen Tracks aufwartet, über Accession Records auf den Markt. Wie schon des öfteren in der Einleitung erwähnt, eröffnet Herz-, Titelstück und Single „ZSA“. Unglaublich tief, unglaublich bewegend, düster, melancholisch, nachdenklich. Es beginnt getragen und steigert sich zu einem derben Brett. Eines der deftigsten Stücke, das Diorama je gemacht haben und ein toller Einstieg in ihr 2016! Umso romantischer wird es danach mit „Off“, der längsten Perle mit 7:02. Kuschelig, seidenweich, tief treffend, und bewegend am Anfang – plötzlich deftig und mitreißend. Feinster Pop wechselt sich mit deftigem Electro-Rock und Hard Trance Elementen ab. Ein schwer zu greifendes Lied, das dennoch viel Freude bereitet. Auf Youtube gibt es das live vom M´era Luna 2016 zu hören. „Defcon“ wechselt zwischen Tanzbein ansprechendem Electro und höchst dramatischer Zirkus-Atmosphäre. Starke Lyrics begleiten das Ganze. Ganz starkes Liedlein, das man kennen muss! „Beta“ hingegen ist, wie der Name bereits verrät, ein arg verschachteltes, stampfendes Electro-Biest versehen mit eingängigem Gesang. Hinzu kommen derberer und schnellerer Gesang. In jedem Fall sehr faszinierend das Teil! Besonders hier hört man, dass sich Diorama nicht vor dem Einsatz moderner Electro-Elemente scheuen. „Smolik“ ist ein Song, wie man ihn so noch nie von Diorama hörte. Deftiger Metal, düstere Atmosphäre, bittere Lyrics, anklagender Gesang, Alien-Sounds. Diorama goes Die Krupps! Eine tief traurige Gitarre und tief treffender, berührender, durchdringender Gesang leiten „&“ ein. Feine elektronische Elemente lassen sich ebenso vernehmen und steigern sich, bis sie eine tiefgründige elegische Ballade formen. Einfach nur wunderschön, so kennt man die Jungs! Damit wären wir bei „Polaroids“, einem extrem verschachtelten, treibenden Electro-Giganten. Auch hier kommen im Refrain feinere, wunderschöne Nuancen dazu. Im Großen und Ganzen wirkt der Track sehr russisch, türkisch und arabisch durch seine Klänge. Tolles Teil! Zu „Reality Show“ muss man nicht viel sagen, das erklärt sich von selbst. Wieder ein Stück, welches Wiedererkennungswert hat. „Amnesia Club“ ist so extrem vielschichtig, dass es mir nicht möglich ist, in Worte fassen zu können, was hier passiert. Macht Euch selbst ein Bild, es lohnt sich! Auf jeden Fall guter Electro und deftige Metal-Klänge. „Comfort Zone“ ist eine Mischung aus Dub-Step, EBM, Rock und feinem Electro versehen mit verdammt guter Lyrik und dem mahnenden Finger. Ziemlich düster und monumental gewaltig wälzt sich der „Nebulus“ aus den Boxen. Geheimnisvoll. Erschaudernd. Creepy. Wunderschöne Melodien. Verwegen. So lässt er sich beschreiben. Ein richtig feines Instrumental. Einfach ein richtiger Gigant! „Stay undecided“ ist wirklich in der Einleitung klasse beschrieben. Bisschen retro, bisschen Electro Clash, sich ständig wiederholender Text, bisschen hippie, bisschen psychedelisch, schwer zu greifen. Also das optimale Ende eines solchen Werks!

Fazit: Ich muss ganz ehrlich sagen: das ist die bisher anspruchsvollste Review, die ich je geschrieben habe bisher! So eine Vielfalt, zig neue Facetten, zig neue Seiten, verdammt ausgefeilt, verdammt genial. Extrem verschachtelt, verworren, tiefgründig, schwerwiegend, tausende kleine Elemente. Mir fällt es extrem schwer, zu beschreiben, was hier passiert. Diorama legen hier ihr wirklich anspruchsvollstes Werk vor! Das ist nicht nur Musik – das ist eine neue Ebene von Musik! Sie wiederholen sich nie, kein Album klingt wie das andere, sie erfinden sich immer wieder neu. Diorama ist einmalig in der Szene und das ist einfach nur perfekt. Um zu verstehen, was hier abgeht, wird man die Platte öfter hören müssen. So bleibt es aber spannend und musikalisch allerhöchste Spitzenklasse! Damit ende ich, bedanke mich für die Aufmerksamkeit und dieses geniale Werk, sage bis bald und stay tuned!

Tracklist:

01 ZSA
02 Off
03 Defcon
04 Beta
05 Smolik
06 &
07 Polaroids
08 Reality Show
09 Amnesia Club
10 Comfort Zone
11 Nebulus
12 Stay undecided

Bestellen: POPoNAUT

VÖ: 09.09.2016
Genre: Electro Pop
Label: Accession Records

Diorama im Web:

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