Diary of Dreams – hell In Eden (CD-Review)

hell In Eden

„Eden ist kein Ort. Eden ist eine Maschine; so lauten die ersten Worte vom Begleittext des 13. Albums von Diary of Dreams. Dachte man auf den ersten Blick, den textlichen Inhalt von „hell in Eden“ erahnen zu können, so belehren uns bereits diese wenigen Worte eines Besseren und offenbaren eine leise Vorahnung der tatsäch- lichen Bandbreite.“ Zwei Jahre nach dem letzten Longplayer „Grau im Licht“ steht nun das Nach- folgewerk von DOD, eine der Speerspitzen der düsteren Musik, in den Startlöchern. Normaler- weise sollte das Album am 29. September auf den Markt kommen, doch leider musste die Veröffent- lichung aus vertriebsbedingten Gründen um eine Woche nach hinten verschoben werden. Doch das tut der Vorfreude unter den Fans jedoch keinen Abbruch, denn schließlich gibt es am 22. September mit dem Song „Epicon“ einen weiteren Vorgeschmack aus dem neuen Album auf die Ohren.

Am 06.10.2017 ist es endlich soweit: „hell in Eden“ wird das Dunkellicht der Welt über Accession (Indigo) erblicken. Ich kläre also heute nicht nur für Euch, wie die 13 neuen Stücke klingen, sondern auch, ob der Albumname nun wirklich sagt, es ist hell in Eden. Oder wütet vielleicht stattdessen die Hölle in Eden? Finden wir es heraus. Auf jeden Fall beginnt es schon mal weniger gewaltig als der Vorgänger, der ja gleich ordentlich los legte. „Made in Shame“ ist schleichend, düster, anklagend, epochal, einnehmend. Chöre im Refrain, feinste Elektronik, sägende Gitarre, Meister Hates´ typisch wohltuender Gesang, klasse Lyrics. Die Schande wird einem richtig langsam, schleichend, hinterlistig eingeflößt und unter die Nase gerieben. Starker Opener! Danach bricht wirklich die Hölle los. Düstere Chöre künden vom Untergang, man hört die Schreie leidender Seelen, Anklage regnet als Blut hernieder, alles brennt. Das ist „Epicon“. Da brennt das Paradies. Das ist wirklich Anklage pur und verdammt episch! Besonders gegen Ende. Das ist was ganz neues im Klangkosmos des Traumtagebuchs. „Decipher Me“ bandelt ein wenig mit „Endless Nights“ des Vorgängers an. Düster-romantisch, tanzbar, berührend, tief treffend, melancholisch, verträumt, Milliarden Liter Herzblut. So wie man DOD liebt! Mit dem Herz- und Titelstück offenbart sich der Albumname zum Teil. Es wird tatsächlich „hell in Eden“. Dementsprechend ist diese Perle auch aufgebaut. Seicht, hell, freundlich im Gegensatz zum Rest, berührend, romantisch, frisch und doch wunderschön. Es wird Tag in Eden! „Perfect Halo“ hätte thematisch auch perfekt auf den Vorgänger gepasst. So macht es sich auch super auf dem neuen Werk. Verzweiflung, Resignation, Einsicht, Demut, Melancholie, gähnende Tiefe, Leere. All das wird hier vermittelt. Und nicht zu ver- gessen die wunderschönen Melodien! „Beast of Prey“ fängt verdammt ruhig an. Ein feines Klavier begleitet Adrian hier. Es findet eine klare Steigerung durch starke Drums und Gitarren statt, dennoch bleibt es bitter und die wunderschöne Geige unterstreicht das. Sie schneidet richtig in´s Fleisch, während sie spielt. „Listen and Scream“. Das Motto der neuen Tour vielleicht? Auf jeden Fall machen das die Fans gerne für DOD! Im Bezug auf das Lied müssen wir das nicht. Es wird tanzbar. Ein neuer Stampfer und ein wenig back to the roots lautet es hier. Anklage und Dunkelheit sind hier Thema, wenn nicht sogar die Apokalypse selbst. Und es geht doch wieder um´s Licht. „Traces of Light“ erreichen Euch mit der nächsten Perle. Schwarz, weiß, das perfekte Mittelstück aus beidem. Mit tollen Chören im Rücken. Wunder- schön! „Mercy Me“ ist wirklich schon eine Aufforderung. Wir kommen der gerne nach, besonders weil es auch hier eindeutig back to the roots geht. Starkes Lied, toll gemacht, klasse Melodien! Extrem tiefgründig und tief an sich ist der „Bird of Passage“. Möge sein Flug noch weiter gehen, mögen ihn die Flügel noch weiter fort tragen. In die Herzen fliegt er auf jeden Fall auf direktem Wege! Erinnerungen an „The Colours of Grey“ werden hier ein wenig wach und das Traumtagebuch entfaltet seine ganze Pracht! Einfach nur wundervoll! Natürlich darf bei solcher Thematik und bei solch Albumtitel auch „Sister Sin“ nicht fehlen. Ihr wird auch große Ehre zuteil! Ehren wir sie genauso ehrfürchtig! Sehr zu empfehlen dieser Diamant! „Nevermore“ erinnert in seinem kompletten Aufbau, in der Aufmachung stark an Edgar Allan Poe. Mag am Namen liegen. Aber ich denke, der Meister hätte sich darüber gefreut. Das Allerbeste heben sie sich als Abschluss auf. Die erste Auskopplung „Hiding Rivers“! Ein Epos vor dem Herrn, wie ich finde und eine Huldigung der schönen dunklen Musik! Nachdem ich das Album jetzt gehört habe, ist es auch das beste Aushängeschild. Denn es verbindet alles, was das neue Werk ausmacht. Es berührt sofort, eine fette Gänsehaut garantiert und diese Melodien – DIESE MELODIEN! Einfach nur traumhaft schön und ein würdiger Abschluss!

Fazit: Wer „Grau im Licht“ nicht mochte, wird „hell in Eden“ lieben! Ein wirkliches Wahnsinns- Werk liegt hier bereit! Ein Pflichtwerk für die DOD Sammlung! Hier wurde echt Arbeit rein gesteckt. Möchte auch sein bei der Thematik. Ganz klären kann ich die Frage nach dem Albumnamen nicht. Ich meine klar, das Titelstück spricht für sich. Aber die Thematiken sind extrem düster. Kann also dennoch die Hölle sein. Das Tolle ist, dass der Name an sich genau das offen lässt. Perfekt gewählt! Auch das Cover Artwork besticht diesmal durch eine geheimnisvolle Schönheit. Sünde. Gewalt. Einsicht. Apokalypse. Meister Hates rechnet mit der aktuellen Zeit und ihren Schrecken ab. Sogar direkt mit Bestie Mensch und vertritt auch durch die Chöre das jüngste Gericht. Von daher darf jeder selber entscheiden, wie sein Eden ist. Hell oder höllisch. Für mich ist es durch die Lieder ausgewogen. Was fest steht ist, dass es ein geniales Meisterwerk geworden ist, das ich nur wärmstens empfehlen kann!

Tracklist:

01 Made in Shame
02 Epicon
03 Decipher Me
04 Hell in Eden
05 Perfect Halo
06 Beast of Prey
07 Listen and Scream
08 Traces of Light
09 Mercy Me
10 Bird of Passage
11 Sister Sin
12 Nevermore
13 Hiding Rivers

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VÖ: 06.10.2017
Genre: Electronic Darkwave
Label: Accession (Indigo)

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