COVENANT – The Blinding Dark (CD-Review)

theblindingdark„The Blinding Dark“ ist sicherlich nicht Covenants einfachstes Album. Es erreicht nicht die Hitdichte von Klassikern wie „Northern Light“ oder „United States Of Mind“, und es ist sicherlich nicht so gefällig wie die besten Covenant-Ohrwürmer „Dead Stars“ oder „Happy Man“. Trotzdem liegt die Spannung von „The Blinding Dark“ nicht nur in seinem aussagekräftigen Titel, sondern auch in der bemerkenswerten stilistischen Weiterentwicklung, die sich Covenant mit diesem Album selbst verschrieben haben – und nicht zuletzt auch der Thematik, der sie sich widmen. Natürlich sind mit „Sound Mirrors“, „Immortal“ oder „I Close My Eyes“ auch hier starke Tanzflächenfeger vertreten, aber der Contrapunkt des Albums liegt eher auf gedrückten, unterschwellig düsteren Tracks, wie dem von Kraftwerk und Jean Michel Jarre inspirierten „Dies Irae“ oder dem Lee Hazelwood (!) Cover von „Rider On A Wild Horse“, welches aus der 1977 erschienenen Country-Hymne ein düster-schleppendes elektronisches Requiem macht, das mit schweren akustischen Drums unterlegt ist. Letztendlich gibt es in „The Blinding Dark“ viel zu entdecken, was wohl nicht nur darin begründet liegt, dass Ur-Covenant Joakim Montelius wieder mehr Verantwortung im Studio übernommen hat als bei den letzten Werken und dass Daniel Myer (Haujobb, Architect, DSTRD) wieder fester ins Live-Lineup integriert wurde. Und so erinnert „The Blinding Dark“ vielleicht eher an ein Album in der Covenant-Historie, das nicht zu den großen Hitlieferanten zählte, aber gerade wegen seines ungeschliffenen Charakters viel Tiefe und Langlebigkeit besitzt: Der zweite Longplayer „Sequencer“ könnte mit seinen langsamen Nummern wie „Tabula Rasa“ oder „Flux“ glatt das Stimmungsvorbild für „The Blinding Dark“ sein. Und das wäre ja wirklich nicht das Schlechteste… so heißt es im Infotext zum Album!

Das 9. Werk The Blinding Dark erschien am 4. November 2016 gleich in vier Versionen: Neben CD- und 3-Vinyl-Version veröffentlicht Dependent ein 2-CD Artbook und ein streng limitiertes „Complete Boxset“ mit Vinyl und 2CD-Buch sowie Zusatzmaterial. Was Euch mit 11 neuen Tracks sonst noch erwartet, erfahrt Ihr heute hier. Das Intro „Fulwell“ beginnt. Es besteht nur aus einem Rauschen, das von einem Flugplatz oder von der Küste stammen könnte. Richtige Böhen erwarten den Hörer hier und deuten darauf hin, dass es rauh wird. Aus dem Rauschen wird ein Dröhnen, alles steigert sich immer mehr und hört dann einfach auf. Dann legt das bereits erwähnte „I close my Eyes“ los und ist mit 5:52 gleich das längste Lied. Starker Rhythmus, mitreißender Beat, feinste Melodien, sehr guter Text, allerfeinster Gesang von Sänger Eskil. Weiter geht es mit „Morning Star“. Das oben beschriebene zeigt sich hier das erste Mal auf. Düster, schleppend, stampfend, dröhnend, gewaltig, monumental, der Albumtitel ist mit erwähnt. „Cold Reading“ ist eine weitere spannende Nummer. Kühler Techno, deutlicher Einfluss von Daniel Myer, stampfende Beats, interessante Sounds, gewaltige Klangteppiche, der Musik angepasster kühler Gesang. Kleiner Minuspunkt: Eskil ist leider nicht sehr gut zu verstehen, was den Text untergehen lässt. Im weiteren Verlauf bessert sich das, wenn man ganz genau zuhört. Man muss sich aber bemühen. Ich denke, das ist so beabsichtigt. Dennoch sehr empfehlenswert. Das angesprochene Lee Hazelwood Cover „Rider on a wild Horse“ ist das nächste. Es ist wirklich ein düster-schleppendes elektro- nisches Requiem geworden, das mit schweren akustischen Drums unterlegt ist. Weiblicher Gesang unterstützt Eskil in diesem spannenden Western. Sehr stark! „Interlude“ ist ein kleines, instrumentales, elektronisches Kunstwerk, das man als Intro betrachten kann für „Dies Irae“, das von Kraftwerk und Jean Michael Jarre inspiriert wurde (wie oben bereits erwähnt). Ein Dark Wave Synthie dark Future Pop Goldstück der allerobersten Klasse und einer meiner absoluten Favoriten! Dann erreichen uns die „Sound Mirrors“ und es zeigt sich, dass Titel 1 doch davon zeugte. Die Vorabsingle „Sound Mirrors“ deutete bereits an, dass sich Covenant auch thematisch in tieferen Gewässern bewegen, als noch mit vergangenen Alben: Die besungenen Sound Mirrors, steinerne Flugzeug-Abwehranlagen an der Küste Groß- britanniens aus dem ersten Weltkrieg, sind eine Parabel auf die Panik und die Ablehnung vor der Welle aus Flüchtlingen, die Europa und auch Covenants Heimatland Schweden prägt: „Listen to the waves of broken souls, homing in on hostile shores; listen to the sound of burning homes, crashing down on shattered ground.“ Und doch ist dieser prophetische Text nur das erste Kapitel in einem Album, das sich ganz der Konfrontation mit der dunklen Seite der eigenen Persönlichkeit verschrieben hat. Perfekte Single-Wahl, denn diese Nummer präsentiert das Album einfach perfekt! Emotional, tiefgängig, tief berührend, fasziniered, spannende Klangteppiche. „Interlude“ hat die selbe Aufgabe wie das andere Interlude und leitet super in „If I give my Soul“ über. Unterkühlt, Techno, true, starke Sounds, wahrer Text, warmer Refrain, Gesangart super gewählt. In der jetzigen Zeit wirklich treffend formuliert! „Summon your Spirit“ ist mit 5:20 das zweitlängste Stück und eine wahre Überraschung. Es besteht nur aus akustischen Drums, interessanten Tönen und kleinen vereinzelten Melodien-Spielereien. Für so eine Platte ein guter Ausklang!

Fazit: Album Nummero 9 der Schweden ist wahrlich keine große Hitfabrik. Es geht eher ein wenig back to the roots, was mich persönlich und sicher die Fans der ersten Stunde sehr erfreuen wird. Dumpf, dröhnend, stampfend, abwechslungsreich, technoid, düster, gewaltig, spannend bis zuletzt, mystisches Cover-Artwork, dennoch Covenant. So lässt sich „The blinding Dark“ bezeichnen und wen wundert es zu unserer aktuellen Zeit, dass CD´s so ausfallen. Die Texte zeigen ebenfalls deutlich auf, dass hier etwas passiert ist. Eskil wird noch kritischer und zeigt klaffende Defizite auf. Alles in allem also alles sehr empfehlenswert, ich mag die neue Scheibe und die wahren Fans ebenso wie der wahre Gothic werden es ebenso zu schätzen wissen. Damit ende ich, bedanke mich bei Covenant und Euch, sage bis bald und stay tuned! Euer Krähenkönig

Titelliste:

01. Fullwell
02. I Close My Eyes
03. Morning Star
04. Cold Reading
05. A Rider On A White Horse
06. Interlude
07. Dies Irae
08. Sound Mirrors (Fulwell)
09. Interlude
10. If I Give My Soul
11. Summon Your Spirit

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VÖ: 04.11.2016
Genre: Electro
Label: Dependent

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