Superikone – Paläste aus Katzengold (CD-Review)

Superikone

Seit 1996 ist Malte El Nino kein Unbekannter mehr. Da erschien sein erster Szenehit „Tränen“, damals noch unter dem Bandnamen Lunastoy. Ein oft gespieltes Lied damals in den schwarzen Tanztempeln. 2001 gründete er sein allererstes Label mit Musikverlag und Tonstudio, produzierte Electropop Bands und mastert zahlreiche Gothic-Compilations bis heute. 2002 brachte er zum allerersten Mal (vorerst unter seinem eigenen Namen) deutschsprachiges Material heraus, kurz darauf wurde daraus Superikone. 2003 erschien dann das Debüt-Album „Opiate“ inklusive der Single „Ganz still“. Auch eine gleichnamige MCD kam heraus und etliche Songs des Debüts wurden Sampler-Beiträge. Außerdem spielte er u. a. im Vorprogramm von Das Ich. Er stand auch schon Model für den Szenefotoband „The living Scene“ und auf der gleichnamigen EP gab es einen Exklusiv-Track zum Thema Lust. 2005 dann der Nachfolger „Energie“. Dem wiederrum folgte noch mehr Erfolg und Auftritte im Vorprogramm von Bands wie De/Vision. 2006 spielte er sogar auf dem WGT und davon gab es eine streng limitierte Edition des Albums „Endorphin“, auf der 8 Live-Mitschnitte des Auftritts in der Moritzbastei zu hören sind. Bis 2010 folgten etliche Exklusiv-Tracks und Unver- öffentliches auf Samplern; dann die 5-Track-EP „Keep your Dreams alive“, deren gleichnamige Single es sogar in´s Radio schaffte. Auf dieser EP gibt es seinen ersten deutschsprachigen Song mit englischem Refrain. 2010 – 2014 geschah das selbe wie bis 2010, Werbe- und Fernsehmusik wurde produziert und Malte realisierte musikalisch das 50. Jubiläum der DFL in Kooperation mit dem Springer Verlag. 2015 erschien eine Neuauflage des „Energie“-Albums mit bis dato unveröffentlichen Titeln, alternativen Mixen und die CD wurde für die MP3-Anwendung remastered. Ebenso erschien die MCD „Paläste aus Katzengold“ inklusive der B-Seite „Schwarz. Rot. Gold.“. Zuletzt gab es noch die 10-Track Mini LP „Zuckervater“.

Jetzt erschien am 28.04.2017 pünktlich vor dem Auftritt auf dem 2017er WGT das Album zur MCD „Paläste Aus Katzengold“ mit 15 brandneuen Songs. Auch eine Veröffentlichung der „Tränen EP – 20th Anniversary Edition“ ist angesetzt. Malte hat also gut zu tun. Ich teste derweil für Euch die neuen Songs. Es eröffnet „Das Kollektiv“. Feine Elektronik, straight nach vorne, versteckte verzerrte Stimme. Alles in allem ein sehr überzeugender Opener für die Superikone 2017! „Lass Uns Die Sterne Von Oben Seh´n“ hingegen ist eine richtig feine eingängige Ballade, die gut mitreißt und viel Gefühl versprüht. Passt perfekt zum WGT, da kann man nach dem Auftritt als Pärchen (oder man lernt sich vorher / während des Konzerts kennen) auf dem Zeltplatz genau so den Abend ausklingen lassen. Einfach prima! „Kein Anfang, Kein Ende“ punktet dann durch Gesellschaftskritik an der heutigen Zeit. Stagnation, verlorene Lebenszeit, Absterben vorm „sozialen“ Netzwerk und vorm Handy. Gutes Lied, klasse Text, feine Elektronik. Gerade zu diesen Zeiten einer meiner Favoriten der CD. Besonders das Schlusswort. Perfekt! Mit dem Herz- und Titelstück „Paläste Aus Katzengold“ geht die Gesellschaftskritik weiter. Überkonsum, Macht, Gier, Reichtum, Absterben des inneren Kindes. Hier werden die richtigen Fragen gestellt! Wie Malte schon sagt: „Ihr könnt die Welt haben und Liebe ist tot!“ Denkt mal darüber nach und lasst das wirken. Weiterer Favorit! Es reißt nicht ab. „Haben Oder Sein“ macht weiter. Durchaus sehr interessant vorgetragen. Ihr könnt Euch denken, worum es geht. Wo Staub damals mit „Haben und Wollen“ anfingen, macht Superikone mit dieser Perle weiter. Malte kann es nicht lassen. Auch der „Schönheitswahn“ bekommt sein Fett weg. Es hört einfach nicht auf mit den Favoriten! Eine Zeile muss ich einfach daraus zitieren: „… und jeder will sich nur mit deinem Arsch unterhalten“. Herrlich, einfach herrlich. Eine ganz besondere Version von „Tränen (Mk Ii – Radio Edit)“ hat es sogar auf die CD geschafft. Interessante Version dieses Klassikers. Neuzeit und trotzdem noch gut. „Dem Sommer So Nah“. Ich bin mir noch nicht ganz sicher was hier gemeint ist. Eine Trennung? Globale Erwärmung? Die soziale Kälte? Hört es Euch an, vielleicht findet Ihr es raus. Richtig fein melancholisch ist es so oder so. Richtig elegisch wird es bei „Kann Es Sein“. Sehr eingängig, sehr gefühlvoll, tausende Liter Herzblut. Sogar der „Zuckervater“ hat es hier her geschafft. Ein richtig krasses Teil. Hört Euch das unbedingt an, das ist richtig düster! „Wie Oft Schon?“ dreht sich um das Thema verlorene Illusionen, verschüttete Emotionen und alles, was damit zusammenhängt. Ein ebenfalls sehr starker Text. „Wir Spielen An Maschinen“. Es wird immer genialer, je länger die CD geht. Ihr könnt Euch denken, worum es geht. Welle:Erdball werden sich darüber sehr freuen ebenso wie Kraftwerk. Sehr geil! „Den Letzten Löscht Das Licht“. Dieses Lied, dieser Text, der Sound, die Atmosphäre zerbröselt mich. Ich möchte weinen. Hört es Euch an, dann wisst Ihr wieso. Die „Seelenbilder“ bieten das passende Instrumental dazu. Höchst emotional, himmlisch, warm und doch so entzwei. Toll gemacht! Die Akustik-Version von „Ein Dunkler Vorhang“ beendet das Ganze und präsentiert Maltes ganzes Handwerk. Richtig feine handgemachte Musik! Wunderschön dieses Finale!

Fazit: Superikone ist eine dieser Bands, die irgendwie kontinuierlich aussterben. Gesell- schaftskritik am laufenden Band, Mehrdeutigkeit, teils bitterböse Wahrheit. Und das alles verpackt in einem herrlichen Klangpaket. Richtig tolle handgemachte Musik. Die Stimme mag bei vielen gewöhnungsbedürftig sein, aber je mehr man hört, umso besser wird es und ich habe schon viel schlechtere Stimmen gehört. Malte kann was, Malte hat es drauf. Als Produzent ebenso sehr wie als Musiker! Wer dies alles noch zu schätzen weiß, ist hier richtig. Damit ende ich, bedanke mich herzlich bei Superikone und Euch, sage bis bald und stay tuned! Euer Krähenkönig

Tracklist:

01. Das Kollektiv (03:04)
02. Lass Uns Die Sterne Von Oben Seh N
03. Kein Anfang Kein Ende
04. Paläste Aus Katzengold
05. Haben Oder Sein
06. Schönheitswahn
07. Tränen (Mk Ii – Radio Edit)
08. Dem Sommer So Nah
09. Kann Es Sein
10. Zuckervater
11. Wie Oft Schon?
12. Wir Spielen An Maschinen
13. Den Letzten Löscht Das Licht
14. Seelenbilder
15. Ein Dunkler Vorhang (Akustikversion)

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VÖ: 28.04.2017
Genre: Electro, NDW, Weiberelectro, Gothic
Label: Rgk (Nova MD)

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