Stunde Null – Vom Schatten ins Licht (CD-Kritik)

Stunde Null

Wenn man seine Band Stunde Null nennt, dann hat das was zu bedeuten. Hinter so einem Namen muss eine starke Aussage stecken – und genau so ist es auch bei der Südtiroler Band, die seit 2015 diesen Namen trägt. Was für andere vielleicht ein Albumtitel wäre, dem haben sich die fünf Jungs dauerhaft verschrieben. Nachdem es in ihrer alten Band nicht mehr wirklich gut lief, die Zeitungen voll mit negativen Schlagzeilen musste ein Neuanfang her. Diesen schufen sich die Südtiroler mit ihrer neuen Band. Drei Jahre ließen sie sich Zeit, schrieben neue Songs, verfeinerten und feilten an ihrem Debütalbum, denn es sollte etwas Besonderes werden – das Zeichen für den Neuanfang. „Vom Schatten Ins Licht“ heißt das Erstlingwerk, das am 13. April 2018 via Rookies & Kings / Soulfood auf den Markt kommt.

„Freiheitsfahnen statt Krieg und Heer“ ist der Opener des Albums und beginnt überaus experimentell mit einem elektronischen Intro. Schnell switcht die Stimmung, Gitarren und Schlagzeug setzen hart ein, der Gesang switcht zwischen harten Screams und Klargesang. Im flotten Tempo wird hier musikalisch drauflos gegangen und klare Statements bezogen. Eine geflüsterte Bridge wird abgerundet von einem kraftvollen Gitarrensolo, dass gekonnt mit dem Refrain verschmilzt. Kann man lassen, klingt grundsolide. Vollgas nach vorne wird im folgenden Track „Die Sonne erlischt“ gescreamt. Im Refrain wird wieder zu Klargesang gewechselt, dieses Muster zieht sich durch den gesamten Song. Ein Fingerzeig, dass jeder auf seinen ökologischen Fußabdruck achten sollte – Umweltschutz untermalt mit kraftvollen Gitarrenriffs. Ruhige Klänge werden zu Beginn von „Geschichte heißt verstehen“ angestimmt. Nach dem Intro, was durch eine sanfte Gitarre zu überzeugen weiß, wird das Tempo aber wieder aufgenommen und die Instrumente werden um einiges Kraftvoller. Ein sehr schöner Übergang, der im Refrain umgekehrt wird. Dieser ist ruhiger und sehr melodisch. Ebenfalls sehr ruhig ist „Keiner stirbt heilig“. Hier liegt sehr viel Kraft im Gesang, der vordergründlich und clear gehalten wird. Eine Ballade, die dazu ermutigt Fehler zu machen, den eigenen Weg zu gehen und sich nichts vorschreiben zu lassen – denn nur so kann man lernen. Fettes Kontrastprogramm wird mit „Mein Herz brennt“ angestimmt. Gescreamte Rufe zu Beginn und ein kräftiges, donnerndes Schlagzeug treiben hier nach vorne und machen ordentlich Tempo. Ein dominantes Schlagzeug findet man auch in „Nutten und Koks“. Hier steht der Drummer deutlich im Vordergrund. Die übrigen Instrumente und der Gesang halten sich geschickt im Hintergrund, ohne aber unterzugehen. Auch hier ist der Wechsel zwischen Klargesang und Screams wieder sehr gut eingebaut und wird durch mehrstimmige Highlights abgerundet. „Und die Hände hoch“ ist die Hymne für den Neuanfang. Neuen Mut zu schöpfen, mit Tatendrang voran und niemals die Hoffnung zu verlieren sind die elementaren Aussagen des starken Tracks. Ruhig und fast schon romantisch geht es in „Musik mein Leben“ zu. Eine Liebeserklärung an eine der schönsten Sachen der Welt. Musik hat so viel Kraft, kann Augen öffnen, Mut machen, Emotionen innerhalb von Sekundenbruchteilen ändern. Dieser Song ist pure Dankbarkeit und dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Mit einem Schlagzeug Intro und einer kratzig einsetzenden Gitarre startet „Schrei zur Sonne“. Kontrastprogramm zum Vorgänger mit überwiegend klarem Gesang. Auch hier bleibt das Schlagzeug sehr dominant, ohne aber den Gesang zu verdrängen. In „Sehnsucht nach Gott“ geht es wieder mit ordentlich Druck nach vorne. Hier wird ganz klare Kritik geäußert, Religion als Mittel zur Gewalt zu instrumentalisieren. Horrornachrichten der letzten Monate werden zwischen den Strophen vorgelesen und machen geballt klar, dass dieser Song definitiv seine Daseinsberechtigung hat. „Alles wird gut“ danach klingt im Zusammenhang dann fast ein bisschen zynisch und ironisch. Rhythmus- und Tempowechsel sorgen hier für richtige Abwechslung, die auch wieder durch den wechselnden Gesang verstärkt wird. Der Abschlusssong „Glaube braucht keine Macht“ startet sehr ruhig, aber im Hintergrund baut sich langsam, aber kraftvoll eine übergreifende Melodie auf, die dann durch den Song führt. Wieder wird Religiöses thematisiert und kritisiert. Dieses Mal geht es aber nicht um die Instrumentalisierung durch den Glauben, sondern eher an die Heuchelei und die Lügen, die von kirchlichen Institutionen ausgehen. Schön kritisch, ohne aber unfair oder beleidigend zu werden. Diese schmale Gratwanderung ist hier sehr gelungen.

Fazit: Manchmal ist Scheitern das Beste, was passieren kann. Denn jedes Scheitern kann ein Neuanfang sein. Man muss ihn nur als solches Erkennen. Das haben die Jungs geschafft und mit Stunde Null zur richtigen Zeit ein neues Projekt aus dem Boden gestampft. Grundsolide, ungeschönt und kritisch geht es hier abwechslungsreich und kraftvoll zur Sache. Drei Jahre Schaffenszeit haben sich hier definitiv gelohnt. Hoffentlich trägt dieser Neuanfang dauerhaft Früchte und wir hören die Stunde Null noch öfter schlagen.

Tracklist:

01. Freiheitsfahnen statt Krieg und Heer
02. Die Sonne erlischt
03. Geschichte heißt verstehen
04. Keiner stirbt heilig
05. Mein Herz brennt
06. Nutten und Koks
07. Und die Hände gehen hoch
08. Musik mein Leben
09. Schrei zur Sonne
10. Sehnsucht nach Gott
11. Alles wird gut
12. Glaube braucht keine Macht

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VÖ: 13.04.2018
Genre: Deutscher Metalcore
Label: Rookies & Kings / Soulfood

Stunde Null im Web:

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