Schattenmann – Licht An (CD-Kritik)

Schattenmann

Neue Deutsche Härte 2.0! Diesem Stil haben sich die vier Mannen von Schattenmann verschrieben. Sich abheben von der Neuen Deutschen Härte, die von so vielen Band fabriziert wird und im Einheitsbrei verschwindet. Ex Stahlmann Gitarrist Frank Herzig legte die Saiten zur Seite und greift zum Mikro. Unterstützt wird er von Jan Suk (Gitarre), Luke Shook (Bass) und Nils Kinzig (Drums). Das Quartett über- zeugte auch schon als Support von Heldmaschine und schart große Fanmassen um sich, die quer durch die Republik fahren, um Konzerte von Schattenmann zu sehen. Das tatsächlich lohnt sich wirklich. Eine ausgefeilte Live-Show mit grandiosen auf die Songs abgestimmten Lichteffekten und eine außergewöhnlich starke Bühnenpräsenz. Ob Schattenmann wirklich NDH 2.0 spielen, oder einfach nur NDH wird sich letztendlich mit ihrem Debütalbum „Licht an“, das am 02.03.2018 via Drakkar erscheint, zeigen.

Der erste Song ist gleich auch der namensgebende Track des Albums „Licht an“. Elek- tronisch und schnell steigen wir in den Song ein, der zugleich auch die erste Single darstellt. Es folgt… NDH. Man erkennt jetzt nicht unbedingt einen großen Unterschied zu altbekannten. Aber das bedeutet jetzt nicht, dass die Nummer schlecht ist. Eher im Gegenteil. Schnell, treibend, gut abgestimmt, textlich stark. Ähnlich geht es weiter, mit „Brennendes Eis“. Wieder ein elektronischer Einstieg, verzerrter Gesang zu Beginn. Wieder zieht das Tempo ordentlich nach vorne und reißt mit. Kann man sehr gut zuhören. Parallelen zu anderen NDH-Bands lassen sich aber meiner Meinung nach erkennen. Romantisch und ruhig wird es bei dem folgenden Track „Gekentert“. Gefühlvoll mit viel Kraft in der Stimme, begleitet von starken Instrumenten wird ein wunderschönes Liebeslied zelebriert. Die gleiche Nummer findet sich am Ende des Albums auch als Unplugged – Version. Noch gefühlvoller, noch schöner. Weiter ruhig zu geht es in „Zahn der Zeit“. Hier trifft Frank leider nicht jeden Ton, es sei ihm verziehen, das macht das Ganze irgendwie sympathisch. Die Instrumente umspielen den Gesang hintergründlich und steigern sich im Refrain deutlich und geben mit viel Kraft den langsamen aber druckvollen Takt vor. Wieder schnell und wie gewohnt leicht elektronisch geht es mit „Amok“ weiter. Gesanglich dreckig und kratzig, basslastig und abgehackt. Eine ganz starke Nummer, die mit einem ruhigen Beginn des Refrains überzeugt, bevor das Tempo steil ansteigt. Der nächste Track „Generation Sex“ ist auch bereits als Single ausgekoppelt worden und nach nicht einmal 24 Stunden von YouTube gesperrt worden. Das Video sei wohl bedenklich und nicht für Minderjährige und empfindliche Gemüter geeignet. Das stimmt wohl, aber dennoch sehr gelungen, davon soll sich jeder selbst überzeugen und seine Meinung bilden. Der Grad zwischen Provokation, Anrüchigkeit und Übertreibung ist hier ganz schmal, aber sowohl textlich als auch bildlich sehr gut gelungen. Betrachtet man den Song rein musikalisch, ist er geprägt von vielen Tempowechseln, kratzigen Saiten und geschickten elektronischen Einflüssen. Provokation auf höchstem Niveau. Weiter geht es mit „9mm“. Der Song beginnt wie ein typischer NDH-Track und klingt nach seinem Vorgänger fast ein bisschen langweilig. Ein fast nahtloser Übergang zwischen Strophe und Refrain sorgt für ein fließendes Hörerlebnis, aber nicht für großes Abenteuer für die Ohren. „Krieger des Lichts“ wartet mit einem genialen Einstieg auf. Hymnenhaftes „Oooohh“ lädt zum Mitsingen ein und findet sich im gesamten Verlauf des Songs wieder. Textlich geht es um einen Neuanfang als Krieger des Lichts, in einer neuen Gemeinschaft, mit neuen Zielen. Die lateinisch gesprochene Übersetzung des Refrains gegen Ende des Songs steigert noch einmal die Dramaturgie, ohne aus dem Hörfluss zu reißen. Ziemlich gut gemacht. „Trümmer und Staub“ ist wieder ruhiger, aber nicht ohne Kraft. Ziemlich gefühlvoll und mit ganz viel Emotion und Gänsehautgarantie. Melodisch auch einer der stärksten Songs des Albums. „Schattenmann“ ist der Titel des letzten Songs, wenn man die Bonustracks außer Acht lässt. Langsam steigern sich gesangliche und musikalische Elemente. Wirklich mitreißend ist der Refrain, der zwar mehr oder weniger langsam, aber so dominant gestaltet ist, dass zumindest der Kopf im Takt wippen muss. Es gibt drei Bonus Tracks zu hören. Einer davon war die Unplugged – Version von „Gekentert“. Ein anderer nennt sich „Böser Mann“. Das alte Kinderlied „Wer hat Angst vorm bösen Mann?“ – „Niemand“ wird hier verwendet und geschickt musikalisch umspielt. Der Refrain mitreißend, die Strophen kritisch. Perfekte Mischung. „Rot“ ist wieder sehr elektrolastig und hält sich tempomäßig in einem neutralen Mittelfeld. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Druck nach vorne. Gesanglich klingt vor allem der Refrain leider etwas unrhythmisch. Wenn das gewollt war – leider nicht so wirklich gelungen.

Fazit: NDH 2.0. Das schaffen die Jungs – aber nur live. Die Stimme von Sänger Frank Herzig klingt live um einiges kräftiger als auf Platte. Auf einer Bühne, unterstützt von der bombastischen Liveshow mit den genialen Lichteffekten ist diese Band etwas ganz Neues. Etwas, was auch die überrascht, die angeblich alles schon gesehen haben. Da zelebrieren sie NDH 2.0. Auf Platte ist es NDH 1.1. Zwar sehr, sehr guter NDH, der für sich steht und hohen Wiedererkennungswert hat, aber nicht die große Revolution. Das Album überzeugt mit viel Abwechslung, was Stimmungen, Tempo und Rhythmus angeht und wird definitiv nicht langweilig. Eine Band mit gewaltig viel Potential, die unbedingt beachtet werden sollte und noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient hat, als sie eh schon bekommt.

Tracklist:

01 Licht an
02 Brennendes Eis
03 Gekentert
04 Zahn der Zeit
05 Amok
06 Generation Sex
07 9mm
08 Krieger des Lichts
09 Trümmer und Staub
10 Schattenmann
11 Bonus: Böser Mann
12 Bonus: Rot
13 Bonus: Gekentert (Unplugged)

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VÖ: 02.03.2018
Genre: NDH
Label: Drakkar

Schattenmann im Web:

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