reADJUST – Straitjacket (CD-Review)

reADJUST

reADJUST haben sich im Februar 2002 gegründet, um ihre musikalischen Vorlieben in eigene Songs umzusetzen. Ihre Musik bezeichnen sie selbst als Melodic Body Electro: „Starke Melodien vereinen sich mit Elementen aus EBM, klassischem Dark Electro, sowie einem Hauch Minimalismus und verschmelzen mit maßvoll verzerrten Vocals und bissigen Texten zu einer eigenständigen Symbiose.“ Nach den guten Kritiken zu den ersten Demo- Versionen, stieg schnell der Anspruch mehr erreichen zu wollen. Durch ihren eisernen Willen und harte Arbeit haben sie es geschafft sich in der Elektroszene zu etablierten. Es folgten zahlreiche Veröffentlichungen. Neben einigen Solo-Gigs durften sie sich auch schon die Bühnen mit wie zum Beispiel Combichrist, Spetsnaz, Agonoize, Project Pitchfork, Klutæ, Noisuf-X, SITD, Psyche, Leichenwetter oder auch Zeraphine teilen. Nach ihrem letzten Album „Access All Areas“ (2013) und der darauf folgenden EP „Lazarus“ (2015) meldeten sich reADJUST nun passend zum 15-jährigen Bandjubiläum mit ihrem mittlerweile siebten Longplayer zurück.

Das neue Full-Length-Album „Straitjacket“ erschien am 10.03.2017 mit 12 brandneue Songs und 3 Remixen via KL-Dark Records. Die CD wird mit „Lobotomie“ als Intro auf einem dunklen, unheimlichen Soundteppich auf ruhig gestellte düstere Weise eingeleitet. Hier schweben wunderschöne Glockenklänge über einem breiten Synthiesound. Nach so viel Weichheit überrascht „Big Business World“ mit hartem, metallischen Klang. Der Beat ist groovig und erinnert etwas an Acid House, denn im Hintergrund spielt eine angedeutete (Synth-) Funkgitarre den Hörgewohnheiten Streiche. Per-Anders Kurenbachs Stimme röhrt darüber hinweg, als hätte er vor den Aufnahmen eine Stange Zigaretten geraucht und mit Whiskey gegurgelt. Sehr gut und intelligent umgesetzt in Musik und Lyrics. Analoge Synthesizerklänge eröffnen sanft „With Every Shot“. Das bleibt nicht lange so, denn der Takt wird schneller, wechselt in den Tanzbereich und helle Glöckchen klimpern über treibende Beats. Ein kleines musikalisches Zitat aus dem Synthie-Pop ziert eine eingeschobene Sequenz. „Promised Land“, der bereits bekannte Club-Hit aus dem letzten Jahr (2016), setzt dem Vorgänger an Geschwindigkeit und Eingängigkeit noch einen oben drauf. Der Song ist wie Achter- bahnfahren: Erst geht es langsam los, der Takt nimmt Fahrt auf, um dann rasant schnell in den Looping zu gehen. Der Refrain ist absolut ohrwurmfähig. Ein schönes Stück Melodic Body Electro: eingängig, hymnisch und schön tanzbar. Bis jetzt war alles sehr melodisch. Mit „Stumme Schatten“ zeigen reADJUST das sie nicht nur Melodien können, sondern sich hier auf ihren EBM-Anteil konzentrieren. Der Song kommt schnell, trocken und aggressiv rüber. Blechern scheppert der Bass bei „I Know“. Es beginnt im langsamen, gesetzten Tempo, um dann nach einem kurzen Break unvermittelt loszupreschen: überra- schende Wendung! Und wieder spielen reADJUST mit Hörgewohnheiten. Hier wird die düstere Stimmung des Liedes von ungewöhnlich gesetzten Taktwechsel untermalt. Die Vocals bei „Synchronized“ sind fast über-relaxed im Gegensatz zur Hektik des Rhythmus. Das ist ein sehr spannungsreicher Gegensatz und die Stimme klingt ganz anders und neu, da hier Tommes am Werk ist. „Walk With The Masses“ startet mit hellen Glöckchenklängen, die man so ähnlich schon im Intro gehört hat. Trotzdem ist das Stück düster gehalten. Der Refrain zeigt einen schönen Bezug zum Dark Wave. Nun folgen zwei Stücke, die letztes Jahr bereits auf der EP „Void“ (2016) zu hören waren: „Jezebel“ und „Void“. „Jezebel“ ist ein rhythmisch ruhiges Stück, das wie ein Krimi von einer hintergründig bedrohlichen Dauerspannung lebt. „Void“ besticht durch klare Synth-Melodien ganz federleicht komponiert. Der Refrain durchbricht diese Leichtigkeit mit einem kleinen Ausflug ins Dark Wave Thema. Schnelle, kraftvolle Beats eröffnen „Jekyll & Hyde“, darüber liegt ein schöner, spinnwebfeiner Klang- teppich. Jays Stimme klingt im Gegensatz dazu tief, drohend, aggressiv. Das Stück ist recht minimalistisch komponiert, aber fasziniert durch interessante klangliche Einschübe wie der blubbernde Sound im Mittelteil. „Circle Of Faults“ startet mit schrägen Tönen, die sich mit druckvollem Bass zur Dark Electro Harmonix bequemen. Es folgen drei Remixe. „Walk With Ehe Masses“ (Leaether Strip Remix) hab ich beinahe nicht wieder erkannt. Es wirkt von Leaether Strip klanglich viel heller als die brachiale Original- version. „Big Business World“ (BhamBhamHara Remix) kommt in diesem Remix so gechillt rüber, als wäre es für das lockere Strandleben komponiert und geht so noch viel weiter vom typischen Elektrothema weg. Cool! „Jezebel“ (Amnistia Remix) bekommt ein sehr industriell-technisches Gewand, klingt aber nicht mehr ganz so böse und teuflisch wie das Original. Dafür fühlt man sich fast hypnotisiert von der betont monotonen Grundstimmung.

Fazit: reADJUST spielen auf ihrem neuen Album mit Hörgewohnheiten. Sie setzen immer wieder ungewöhnliche Akzente, zitieren musikalische Themen in neuer Interpretation. Das ist kreativ und spannend, denn jedes Lied ist von vorn bis hinten geschliffen in Klang und Komposition. Überraschungen lauern hinter Eingängigem. Die Kompositionen wirken scheinbar minimalistisch, sind es aber nicht, wenn man genauer hinhört. Es ist zu empfehlen die Scheibe auch mal unter Kopfhörern zu genießen, um die kleinen Einschübe und Details besser herauszuhören.

Tracklist:

01 Lobotomie (Instrumental)
02 Big Business World
03 With Every Shot
04 Promised Land
05 Stumme Schatten
06 I Know
07 Synchronized
08 Walk with the Masses
09 Jezebel
10 Void
11 Jekyll and Hyde
12 Circle of Faults
13 Walk with the Masses (Leæther Strip RMX)
14 Big Business World (BhamBhamHara RMX)
15 Jezebel (Amnistia RMX)

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VÖ: 10.03.2017
Genre: Melodic Body Electro
Label: KL-Dark Records

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