Randolph’s Grin – Intent (CD-Review)

Randolph's Grin

Es gibt endlich neues Material von Randolph´s Grin! Bereits das dritte Album genannt „Intent“ steht in den Startlöchern. Robert Andrew Bowman und Adelheid Winkler, jeweils aus Detroit und Salzburg, sind die beiden Protagonisten. Sie trafen sich in den frühen Zwanzigern (Mitte der 90er) in den Vorstädten von Detroit, als Leland City Club und The Shelter in der Innenstadt die Underground Plätze waren, um indus- trielle und alternative Musik zu hören. Musikalisch haben sie sich sofort verstanden, es hat sofort „klick“ gemacht. Die elektronischen Kompositionen von Robert sind besonders rhythmisch, wunderschön geschichtet mit einer oft „großen“ Klangqualität. Heidis vielseitige und immer feminine Vocals verleihen der Musik eine ganz eigene Menschlichkeit und vervoll- ständigen den einzigartigen Klang. 1997 erschien das erste Album „Melt“, der Nachfolger in Form der EP „Details“ drei Jahre später. Robert Andrew wohnt noch heute in Detroit, Adelheid seit 16 Jahren in Salzburg. Etliche Jahre Funkstille herrschten, 2015 veröffentlichten sie dann ihr zweites Album „Dragon Road“.

Jetzt ist es endlich soweit und „Intent“ erblickt am 13.10.2017 das Düsterlicht der Welt. Thematisch geht es um Unbesiegbarkeit, dem Ziel des Kriegers. Einen möglichen Weg dahin hören wir nun hier und möglicherweise beziehen sich die Musiker dabei auf die Werke von Carlos Castaneda; dessen Bücher wurden in den 70ern millionenfach verkauft. Aufgenommen wurden Adelheids Parts mit dem Produzenten des Albums, Chris Harms (Lord Of The Lost) und mit Tontechniker Benjamin Lawrenz in Hamburg. Wie das alles klingt, erfahrt Ihr jetzt. Es beginnt sehr atmosphärisch, fast schon heroisch. „Travel“ könnte man im Sinne der Album- thematik so interpretieren, dass der Krieger sich auf den Pfad begibt, der alles entscheidet. Wunderschöner Opener, der mit allerfeinster unterkühlter, intelligenter Elektronik und wundervollem Frauengesang ausgestattet eine reizende Perle darstellt! „Ruthless“. Rück- sichtslos, unbarmherzig, schonungslos, rabiat, mitleidlos. So die Übersetzungsmöglichkeiten. Passt natürlich auch hervorragend in die Thematik. Man muss schließlich festhalten: nur die Kombination aus Tiefschlägen und Sonnenseiten machen einen Krieger aus! Ewiger Sonnen- schein formt kein Kriegerherz! Adelheid und Robert demonstrieren das mit feinstem Cold Electro. Stellt natürlich auch perfekt unsere aktuelle Neuzeit dar. „The Eagle“ sticht dann doch etwas heraus. Es dröhnt, zischt und brodelt bei den Grins. Stampfende, verzweigte, höchst intelligent verpackte Elektronik. Kälte. Eine bittere Wärme, etwas Geheimnisvolles. All das bildet das Fundament zu dieser Granate. Adelheid wechselt zwischen eindringlichem Sprechgesang und elfengleicher Stimme. Definitiv sehr zu empfehlen! Und schon holpert die erste Auskopplung in den Raum. „Inorganic“ heißt die und ich kann euch sagen: es wird ruppig! Düstere kühle Elektronik, fast schon anklagender verzweifelter Gesang. Stellenweise dröhnt und hallt es hier ordentlich. Starker Song und durchaus eine starke Auskopplung! „The Teacher“. Egal, wen wir auf unserem Weg treffen. Es kann immer ein Lehrer sein. Für gute oder negative Erfahrungen. Aber auch negative Erfahrungen braucht es, um wachsen zu können. Alles eine Frage der Ansicht und des Umgangs. Adelheid und Robert haben es erkannt und hier wunderbar mit eingewoben. Und das in einem tollen elektronischen Kleid. „Stories“. Natürlich im Anschluss sehr passend. Diese schreibt das Leben, Randolph´s Grin mussten nur Stift und Elektronik in die Hand nehmen. Entstanden ist eine Geschichte, die an Elektronik längst vergangener Tage erinnert. Wechselhafter Gesang, Druck, Stampfer, eine düstere Grundstimmung. „Impeccability“. Einwandrei. So ist auch dieses Goldstück. Creepy Elektronik, geheimnisvoller Gesang, düstere Atmosphäre. Sehr starker Track! Natürlich darf auch die „Silence“ nicht fehlen. Obwohl es hier nicht gerade leise zugeht. Aber insgesamt ist es zumindest „angenehmer“ als auf den letzten Tracks. Tanzbar ist es dennoch. Adelheid hält sich hier eher zurück und lässt Robert schalten & walten. Heraus kommt ein prima Liedchen, das gehört werden muss! Auf „Somersault“ hört man die Herkunft der Band deutlich heraus. Adelheid und Robert vereinen hier Mystik, Elektronik, Jazz und eine gewisse Lounge-Atmos- phäre zu einem ganz eigenständigen, überraschenden Klangerlebnis. Und kommt sehr gut an! „Seeing“. Ich überlasse es Euch an der Stelle, wie Ihr den Titel interpretiert. „Sehen“ lassen kann sich der Track aber definitiv! Klasse Teil! Selbiges bei „Practice“. Hier passt der Ausdruck: es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und Übung macht ihn zum Meister. Das Ganze verpackt in sexy Elektronik. Hier wird es definitiv heiß und sehr sinnlich! „Reassembling“ rundet das Gesamtpaket perfekt ab. Es ist so vielschichtig und intelligent verpackt, dass ich Euch gar nicht alles beschreiben kann, was hier passiert. Hört es Euch einfach an, es LOHNT sich wirklich SEHR! Ein gelungenes „Ende“ dieser packenden Thematik!

Fazit: Hier sind Profis am Werk, hier weiß jemand genau, was er tut und was er bezwecken will. Und eine riesen Portion Ahnung bringen sie ebenso mit. Die Themen, die Lyrics, die Elektronik – all das spricht dafür, dass hier Menschen beteiligt sind, die sich mit all dem auseinander gesetzt haben. Ich finde es auch gar nicht schlimm, wenn die Bands mal länger brauchen. Randolph´s Grin sind ein Paradebeispiel dafür, dass es durchaus sinnvoll ist, Zeit in seine Werke zu investieren. Natürlich gibt es Bands, die es auch anders schaffen. Da soll sich keiner auf den Schlips getreten fühlen. Aber gerade für das, was Adelheid und Robert hier erschaffen haben, braucht es Zeit. Nehmt Euch selbige ruhig, um die Scheibe komplett erfassen zu können. Wer seichte Nebenher-Elektronik sucht, ist hier falsch. Atmosphärisch ja, teilweise auch getragen und wer es vermag, kann auch hier entschweben. Aber hier steckt auch Anspruch drin. Freunde des guten alten Detroit old school Sounds, der natürlich ent- sprechend aufgepeppt wird, werden hier definitiv fündig und wer anspruchsvolle Elektronik liebt sowieso.

Tracklist:

01 Travel
02 Ruthless
03 The Eagle
04 Inorganic
05 The Teacher
06 Stories
07 Impeccability
08 Silence
09 Somersault
10 Seeing
11 Practice
12 Reassembling

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VÖ: 13.10.2017
Genre: Indie Electronic Alternative
Label: 2808-Mgmt (Rough Trade)

Randolph’s Grin im Web:

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