Rain Diary – Black Weddings (CD-Kritik)

Rain Diary

Vier Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums „The Lights Are Violent Here“ (2014) melden sich die finnischen Dark-Waver RAIN DIARY, die sich im Frühling 2007 gründeten, elektronisch rockend und mit viel Mut zur Zerbrechlichkeit zurück. Die mittlerweile zweite Platte trägt den Namen „Black Weddings“, umfasst insgesamt 13 Tracks und erscheint am 30. März 2018 (VÖ Europe) via Optical Records / H´art & Kontor New Media. Nur 14 Tage nach dem Release gehts dann für die Band um Sänger Tommi Suomala (Ex-Soulrelic) als Support mit den Wahlberliner von Vlad In Tears auf Tour. Alle Konzert-Termine sowie Tickets findet ihr unter folgenden Link: www.metaltix.com

Mit einem verzerrten, ruhig wabernden Piano beginnt das Intro „30.973762“, das die Ankunft der Band rund um Tommi Suomala und Tytti Toppari verkündet. Unmittelbar geht der nur etwas über eine Minute lange Opener in den Song „Toxic Blues“ über, der mit einem angenehmen Stimmensample beginnt, während im Hintergrund die Synthesizer langsam anschwellen und der Gesang von Tommi dem Song eine gewisse Anspielung verleiht. Die Klänge sind verspielt und wabern und knarzen, dazu gesellen sich ein paar Rockriffs und ein ruhiger Beat, der dennoch eine gewisse Schwere in sich trägt. Der Refrain klingt schön, flehend und fast verzweifelnd rufend, während Tyttis Voicesample eine gewisse Verträumtheit, aber auch Melancholie trägt. Darauf folgt die erste Single aus dem Album, das in seiner schwarzen Edition schon seit September bei den gängigen Streaming-Diensten zu hören ist, eine Ode auf meine Heimatstadt, „Berlin“. Der Beat wird treibender, der Song klingt nach Tanzen im Regen – passend zum Bandnamen. Harmonisch, mit wunderschöner Melodie, die hier und da fast an einige aktuelle Mesh-Songs erinnert (oder denke nur ich im Refrain ein bisschen an „The Fixer“?). Der Text handelt von Abschied, Außenseitertum und gipfelt schließlich in dem Ausruf: „Take me to Berlin!“ – Bedenkt man, dass die Arbeit am Album laut Bandseite in einer zwielichtigen Kneipe irgendwo auf der Reeperbahn begann, kann man diesen Wunsch vielleicht durchaus nachvollziehen. Ein tolles Lied ist es auf jeden Fall. „We Are Here We Are Now“ ist wieder etwas ruhiger, und, wie der Titel suggeriert, eine Hymne darauf, den Moment zu nutzen. Viele Synthesizer- spuren und die leicht gespielte Gitarre im Hintergrund laden auch hier wieder zum Zurücklehnen und genießen ein. Der Titeltrack eines Albums ist immer ein wichtiger Song, da dieser als Namenspatron das Album ein Stückweit repräsentieren muss. „Black Wedding“ erfüllt diese Aufgabe sehr gut, die etablierte verträumte Melancholie verbindet sich mit wunderschönen Harmonien und vielschichtigen, synthielastigen Melodien, die den Text sehr gut unterstreichen („Do you know there’s a perfect sky just waiting to be seen? Someone else will take you there.“) Der Song trägt die Hauptmerkmale des Albums in sich und beweist dadurch seine Stärke, da er das Konzept wirklich gut zusammenfasst. Er ist einer meiner Favoriten auf dem Album. Weiter geht es mit „Swans“. Auch dies ist wieder ein ruhigerer Dark Wave-Synthpop-Song, im Bridge-Teil sorgt die einsetzende Gitarre, die die tragende Synthsequenz mitträgt, wieder für einen gewissen Thrill. Handwerklich ist auch dies wieder ein guter, klanglich wirklich angenehmer Song, der hin und wieder fast bedrohlich in seiner Eindringlichkeit und Zurückhaltung wirkt. Wer sich hiernach wieder eine etwas härtere Nummer wünscht, wird nicht enttäuscht – mit „Flowers“ folgt der Song mit den bisher meisten Rock-Allüren, der wieder etwas tanzbarer ist, wenn auch weiterhin eher Mid-Tempo. Auch hier gefällt mir die Differenz zwischen Strophe und Refrain sehr gut. Während in den Verses die Stimme von Tommi mit etwas hochgedrehtem Kompressor hauptsächlich auf einer Linie stattfindet, wächst der Song im Refrain nicht nur mit einem Knall, auch der Gesang wird intensiver, die Vocal Lines abwechslungsreicher und die Melodie durchschlagender. Mit „Unified“ kommt der nächste tanzbare Synthpop-Song, der wieder tollen Stimmeinsatz von Tommi zeigt, der zwar eine vergleichsweise hohe, aber gerade deshalb wirklich spannende Stimme hat. „Everything Is Painted Falling“ ist eine sehr düstere, ruhige und melancholische Ballade, in der zweiten Hälfte des Songs hören wir nicht nur „Sounds Of The Universe“-ähnliches „Geplucker und Gefrissel“, sondern auch wunderschöne Backing-Vocals von Tytti. Danach geht es wieder in Richtung Up-Tempo – genau im richtigen Moment kommt „Kill The Disco“, der dem Titel entsprechend schmissig und clubtauglich klingt. Auch hier erkundet Tommi im Refrain wieder gerade die hohen Töne, und liefert einen schönen Disco-Song mit gewohnt guter Performance. „Violent Sky“, der letzte reguläre Album-Song, schließt am Anfang an den Nebel an, in den das Intro gehüllt war, bevor sich hier eine wirklich schöne, traurige Ballade herauskristallisiert, die sich weder vor einer Akustikgitarre, noch vor Streichern scheut. Eine gewisse Hoffnungs- losigkeit wohnt diesem Song inne: „I’m forever lost, I’m forever lost.“ Als Bonustracks gibt es auf der neuen „White Edition“ des Albums sowohl den Song „What Becomes Of Night“, der nahtlos an den Klang des Albums anschließt, ohne groß herauszustechen, als auch eine Akustik-Version von „Swans“, die den Song in musikalisch etwas anderem Gewand zeigt, welches ihm jedoch auch gut zu Angesichte steht.

Fazit: Ein sehr gut zusammengestelltes Dark Wave-Album, das das Tempo immer dann anzieht – oder reduziert – wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Musikalisch ist das Album ein schöner, melancholischer Hörgenuss, der Fans von den aktuellen Werken von Mesh oder Beborn Beton bestimmt nicht missfallen wird. Für mich war dieses Album mein erster Kontakt mit Rain Diary, und ich bin definitiv bereit für mehr. Meine Anhörtipps sind „Berlin“, „Kill The Disco“ (wäre bestimmt eine sehr gute Single!) und „Black Wedding“.

Tracklist:

01 30.973762
02 Toxic Blues
03 Berlin
04 We Are Here We Are Now
05 Black Wedding
06 Swans
07 Flowers
08 Unified
09 Everything Is Painted Falling
10 Kill The Disco
11 Violent Sky
12 What Becomes Of Night (Bonus Track)
13 Swans (Acoustic Studio Arrangement) (Bonus Track)

Kaufen: Amazon

VÖ: 30.03.2018
Genre: Dark Wave
Label: Optical Records / H´art & Kontor New Media

Rain Diary im Web:

Homepage

Facebook