NOYCE™ – Love Ends (CD-Review)

NOYCE™

NOYCE™ melden sich zurück! Das Düsseldorfer Electro-Pop Gespann um Sänger Florian Schäfer existiert bereits seit 1996. Man hatte damals bereits Songs geschrieben, stand aber vor Veröffentlichung des dritten Albums ihres Vorgänger-Projekts Silent Gift. Nach Anraten ihres Produzenten Olav Wollschläger brachten sie die Tracks aber lieber als eigenständige EP heraus. Der Startschuss für NoyceTM. Kaum war das Debüt-Album „The white Room“ 1999 draußen, begleitete man VNV Natin auf der „Empires“ Tour und 2000 folgte die zweite EP. Bis 2006 herrschte komplette Funkstille. Seitdem sind die Düsseldorfer wieder aktiv und haben weitere 3 Alben sowie eine Special Edition inklusive CD und ebenso viele weitere EPs. 2015 folgte die letzte EP „Fall(Out)“, das letzte Album „Past:ique“ liegt 6 Jahre zurück.

Nun erscheint am 03.11.2017 endlich das brandneue Album mit dem extrem zeitnahen Namen „Love Ends“. Album Nummero 5 beinhaltet 12 brandneue Tracks, die ich Euch heute vorstellen möchte. Es beginnt sehr spannend mit „…at the End“. Störsequenzen, Störsender, bedrohlich bedrückende Atmosphäre, Industrial-Noise artige Geräusche, irgendwann der Übergang zu feinstem Electro mit ordentlichen Drums. Wundervoller, starker Opener! Weiter geht es mit „Sense of Despair“ und das Album beginnt richtig. Dark Electro, old school sounds, Florians betörende Stimme, düstere Atmosphäre. Im Refrain wird es deep, wehmütig, melancholisch, mit Electro-Pop Anstrich. Klasse gemacht! Natürlich auch von der lyrischen Seite her. Übrigens auch auf Youtube zu finden. Hört doch direkt mal rein in diesen tollen Vorboten! Deutsches Liedgut erwartet uns mit „Heimat“. Auch hier ist es düster, tief, melancholisch, nachdenklich, tot traurig. Mit zutiefst treffen- dem Gesang und Lyrik, die direkt in´s Herz trifft. Heimat bestimmt jeder selber. Heimat kann vielseitig sein. Diese Perle spricht eher vom Verlust eben jener Heimat. Weiter geht´s mit „Brave New World“. Hier zaubern die Düsseldorfer eine zutiefst traurige, abwechs- lungsreiche, betörende Hymne. Richtig genial gemacht, besonders der Klang, die Atmosphäre, die Sounds im Refrain. Besonders hier sticht das derbe Bittere dieser Perle heraus. „Propaganda“ darf auf so einer Scheibe natürlich nicht fehlen. Betörend, arsch-kriechend, schleichend, harmlos wirkend – wie Propaganda eben arbeitet. „Kaltland“. Viel verrate ich dazu nicht. Musikalisch aufgebaut wie das Theater des Grauens. Perfekt gewählt, weil es genau das ist, was da passiert. Also was Florian da besingt. Nicht das Lied und der Text. Das Herz- und Titelstück „Fall(Out)“ der gleichnamigen vorangegangenen EP von 2015 ist auch drauf. Einerseits schnell, derbe, tanzbar – andererseits himmlisch, berührend, voller Licht (meint man… ). Sehr genial! „Die Ungeliebten“. Auch sehr passend für diese CD. Man weiß schon, in welche Richtung es geht. Was es mit den aufgeführten Zahlen auf sich hat, weiß ich leider nicht. Klingt irgendwie nach Binär-Code. Ansonsten sehr gutes Instrumental, sehr traurig, sehr bewegend. Die Neuzeit-Elektronik stört mich aller- dings. Erinnert zwar an Klangstabil, aber die machen das bisschen besser. Das Sample nach den Zahlen ist allerdings fantastisch und verdammt wahr. Kleiner Minuspunkt, der Rest ist spitze! „Mensch(en)“ ist der Platte auch direkt auf den Leib geschneidert. Verdammt wahr und pure Anklage. Dem direkt anschließen kann sich auch „Zertrennlich“. Mystisch, dunkel-romantisch, melancholisch, höchst geniale Lyrik, wunderschöne Melodien. „The World Is Quiet“. Welch bittere Ironie. Wenn sie es doch nur wäre. Sie schweigt ja, aber an der falschen Stelle. Sticht definitiv raus, denn Florian wird etwas deutlicher und Dark Rock prescht den Track voran. Zumindest im Refrain, der Rest ist eher melancholisch-anklag- ender Electro. Mit dem Herz- und Titelstück des Albums, „Love Ends“, endet nicht nur die Liebe, sondern auch die CD. Aber mit einem Knall! Faszinierender, fantastischer Abgang! Und so herrlich gruftig! Weiter so!

Fazit: Dieses Werk ist nix für zartbesaitete Weichspülermusik-Fans, hier muss man zu- hören, die Musik wirken lassen. Musik und Text arbeiten hier perfekt zusammen und kreieren das bisher „derbste“ Album der Düsseldorfer. Auch neue Elemente fließen in´s Soundbild und malen ein perfektes Bild der Neuzeit. Nicht immer gelingt es gut, aber das macht erst mal nix. Wenn man es weiß, kann man weiter dran arbeiten.

Tracklist:

01 …at the End
02 Sense of Despair
03 Heimat
04 Brave New World
05 Propaganda
06 Kaltland
07 Fall[out]
08 Die Ungeliebten
09 Mensch[en]
10 Zertrennlich
11 The World Is Quiet
12 Love Ends

Kaufen: Amazon

VÖ: 03.11.2017
Genre: Electro-Pop
Label: Focile Art Tribe (Alive)

NOYCE™ im Web:

Homepage

Facebook