Nine Inch Nails – Add Violence (EP-Review)

Nine Inch Nails

Nine Inch Nails – was soll man über diese Legende noch sagen! 1988 in Cleveland, Ohio von Trent Reznor gegründet, entwickelte sich seitdem zu eine hervorragende Karriere, die es nur wenige in diesem Genre geschafft haben. Nine Inch Nails ist keine „herkömmliche“ Band an sich, sondern eher ein Musikprojekt, das eigens der Realisierung von Reznors musikalischen Einfällen dient. Im Studio sind weitere Musiker ebenso wie Tontechniker gerne gesehen, dienen aber lediglich als Assistenten. Der Meister selbst spielt alle Instrumente selber ein. Allein das verdient Bewunderung und Respekt. Immerhin ist nun mittlerweile Soundtrack-Kollege Atticus Ross das zweite feste Bandmitglied, was NIN zum Duo aufsteigen lässt. 8 Alben, 2 EPs, 3 Remix- Werke und weitere Projekte wie Soundtracks und weitere Bands Reznors zeigen, wie vielseitig er agieren kann. Zuletzt begeisterte 2013 das Werk „Hesitation Marks“ und 2016 die EP „Not the Actual Events“, welche Teil 1 einer ganzen EP-Trilogie darstellt.

Jetzt liegt mir Teil 2 vor, genannt „Add Violence“, beinhaltet die gleiche Menge neuer Songs und erschien am 21.07.2017. Inwieweit die neue EP auf die andere aufbaut und was hier so passiert, das erfahrt ihr jetzt. Es beginnt mit „Less than“, einem wahren Goldstück für meine Ohren! Extrem abwechslungsreich, breit gefächert, old school, Darkwave, Synth Pop, Industrial Rock. Und das alles in einem gewaltigen Output, der an gewisse Teile des Albums „With Teeth“ erinnert. Thematisch und lyrisch wird also schon mal perfekt auf Part 1 aufgebaut. Dabei kommt sogar wieder deutlich mehr Gefühl in die Stimme und teilweise in die Sequenzen. Starker Opener also! „The Lovers“ ist da schon ein ganz anderes Kaliber. Alleine der Name ist interessant genug. Den Hörer erwarten tiefe Klangurwälder, getränkt mit hypnotischen ekstatischen Melodien, fast schon Urwaldgeräuschen gleich. Die Luft ist geschwängert von kaltem Rauch, Schweiß, Mystik und Sex. Ihr seht schon – interessantes Hörerlebnis, was Euch da erwartet! Muss man mal gehört haben, da so sicher noch nie gehört! „This Isn’t the Place“ lässt namentlich vermuten, dass es wieder in Richtung Teil 1 geht. Euch erwartet eine smoothe Jazz-Electro-Nummer mit Störsequenzen und einer gewissen unangenehmen Atmosphäre. Ein Willkommensgefühl, Entspannung – und doch trügt der Schein. Ab der Mitte setzt gefühlvoller, iwie ängstlich wirkender Gesang ein, der die Atmosphäre noch toppt. Es steigert sich in´s Unermessliche. Also einfach nur verdammt genial gemacht! „Not Anymore“ reißt doch schon sehr abrupt aus den Gedanken. Es wird radikal, back to the roots of NIN, es dröhnt und kracht nur so vor sich hin. Wie wenn man im Auto mitfährt, die Fahrt ist recht seicht – auf einmal steigt der Fahrer in die Eisen und es drückt dich direkt in den Sitz. Um mal das Gefühl zu beschreiben. Freunde alter NIN Tage werden hier sehr glücklich sein. „The Background World“. Gibt es für so eine EP ein besseres, passenderes Ende? Nein. So gut wie alle Emotionen, Sequenzen, Stimmungen, Sound- konstrukte der EP fließen hier zusammen. Der Ausdruck der Leere, der Ausdruckslosigkeit, der Unvollkommenheit, des Gefühls nicht erwünscht zu sein findet hier seinen Höhepunkt. Lyrisch ebenso wie musikalisch. Warmherzig und doch spürt man, dass etwas nicht stimmt. Besser könnte man die aktuelle Zeit musikalisch nicht darstellen. Hut ab Meister Reznor! Und das Ende erinnert sogar an „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Und man spürt und hört regelrecht, wie es immer extremer, schlimmer wird. Bis es nicht mehr weg zu denken ist. Ich bin zutiefst beeindruckt.

Fazit: Trent Reznor ist schon ein sehr talentierter Musiker. Natürlich macht er Musik zum Nachdenken. Seine Platten sind nix für „Ich lass das mal bissel im Hintergrund laufen“. Besonders die aktuellen EP´s verdeutlichen das sehr. Ihn kotzt dieser vorherrschende Mist rundum auch an. Das hört man ganz deutlich heraus. Das System geht nicht mehr, nur noch Missstände, die Leute werden immer merkwürdiger. Und Leute, die merken, dass sie „anders“ sind, merken dass etwas nicht stimmt, denen immer unwohler wird – die fühlen sich hier endlich verstanden, zuhause, irgendwie angekommen. Man kann festhalten: Im Grunde baut Teil 2 prima auf Teil 1 auf. Es wird nur noch komplexer, die heile Welt geht brennend unter, die Zeichen der Zeit müssen endlich erkannt werden. Dabei werden wie gesagt Fans der ersten Stunde von NIN teilweise sehr glücklich sein. Ich hoffe einfach, dass mehr Leute genau so über die EP nachdenken wie ich. Dann wäre Reznors Meisterwerk geglückt.

Tracklist:

01 Less Than
02 The Lovers
03 This Isn’t the Place
04 Not Anymore
05 The Background World

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VÖ: 21.07.2017
Genre: Industrial Rock
Label: The Null Corporation

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