Neon Insect – Glitches (CD-Kritik)

Neon Insect

Es gibt ein neues musikalisches Lebenszeichen von Nils Sinatsch (Neon Insect), ehemals Eternal Nightmare Mitglied! 2008 folgte sein erstes Solo-Debüt „Enigma“ und bisher blieb das auch das Einzige. 10 Jahre ist das jetzt her. 10 Jahre, die Nils sehr verändert haben. Seine Musik, seine Art des Denkens, seine Art uns in seine Welt zu entführen. Sein größter Traum war es, Musik für Videospiele zu schreiben. Den Traum hat er  sich nun schon vor etwa 4 Jahren erfüllen können! Und in den folgenden Monaten steht auch einiges an.

Am 16.02.2018 erscheint nun erst mal der Nachfolger zum Solo-Debüt, genannt „Glitches“. Einige Special Versionen und Kooperationen sind unter den 11 Stücken vertreten. Wie das alles klingt und ob es in ein Videospiel passen würde, erfahrt Ihr jetzt. Es beginnt sehr spannend mit dem Titel „Thoughtcrimes“, der ja alleine schon vom Namen her höchst spannend ist und zum Nachdenken anregt. Der Sound packt darauf noch die Kirsche. Vielschichtige Elektronik, verzweigte Klangwelten, teilweise alles recht unordentlich möchte man sagen. Einige Sprach-Samples fliegen immer mal durch den Raum und durch die verwendeten Drums wirkt es stellenweise sehr düster. Darüber thront Nils´ durch- dringender Reibeisen-Gesang. Starker Song, in den man sich aber erst mal reinfitzen muss! Und natürlich eine tolle Thematik! Mit „L.L.t.Q.“ folgt die erste Zusammenarbeit. Und das mit einer Legende! Leaether Strip geben sich hier die Ehre! Heraus gekommen ist ein richtig derbes Brett, das auch thematisch ordentliche Felsbrocken los tritt! Dement- sprechend wütet Claus Larsen da auch am Mikro. Die Abkürzung steht übrigens für Long live the Queen. Sagt ja schon mal alles. Geiles Teil und für Neon Insect die perfekte Gelegenheit, den Bekanntheitsgrad zu erweitern! Ich würde es als Trash EBM Industrial Noise Metal bezeichnen was hier fabriziert wird. Es wird düster und creepy mit dem nächsten Song, der sich „Sneaky“ nennt. Schleichend bedrohlich kriechen die Sounds aus den tiefsten Kellern der Angst und wabern angsteinflößend aus den Boxen. Geniale Atmosphäre, geniale Klangwelten. Der optimale Soundtrack für ein Horror Schocker Videospiel! Da macht man sich beim Zocken und beim Zuhören ordentlich in die Hose. Man stelle sich das mal bei Slenderman vor. Wer die Figur nicht kennt: googlet sie bitte, während Ihr dem Schocker lauscht. Es folgt „The Council“ im Enlia Remix und ist der perfekte Gegenpol zum Vorgänger. Leicht, beschwinglich, befreiend, tiefenentspannt, lichtgeflutet. Als wäre man nach einer Höllentour aus einem finsteren Schacht gekommen und steht im sprichwörtlichen Paradies. Also anhören, Füße hoch, Seele baumeln lassen und die Gedanken auf eine Reise schicken. Musikalisches Yoga quasi. Den nächsten Titel „不協和音“ kann man leider nicht entziffern, da er, wie auf dem Cover schon zu sehen, in chinesischen Schriftzeichen angezeigt wird. Eine kurze, knarrzende Frequenz, die einfach nur aus dem Paradies zurück in die Wirklichkeit dröhnt. „To The Moon And Back“ ist die zweite Kooperation. Hier arbeiten Twill Distilled mit, eine Dirty Pop Dreiergruppe. Weiblicher Gesang, die restlichen Jungs inklusive Nils bedienen die Maschinen. Dirty Pop passt hier gut mit gewissen anderen elektronischen Elementen und Vergleiche mit Ayria werden wach. Ist ja nicht das Schlechteste. Dennoch ist es etwas ganz Eigenes. Der „Grey Hat“ präsentiert einfach nur eine gewaltige, schroffe, dennoch wunderschöne Klangland- schaft. Skandinavien wäre hier super zum Vertonen, bzw. als anschaulicher Vergleich. Hört es Euch an, es lohnt sich. Bei „I.D.C.“ singt Nils mal wieder selber. Es wird trashig, punkig, rotzig, freaky. Einfach nur musikalische Achterbahnfahrt. Diese Abkürzung steht für I don´t care. Und das tut Nils wirklich nicht. Es folgt die Ambient Version von „Sneaky“. Und ich würde fast behaupten, die ist einen Hauch bedrohlicher. Entscheidet selbst, was Euch mehr beängstigt. Ein weiteres, mit chinesischen Schriftzeichen „不安心“ betiteltes kurzes Stück Klangkunst, schwebt aus den Boxen und rüttelt wieder wach. Damit wären wir auch schon am Ende angelangt mit der Radio Edit von „Thoughtcrimes“. Kürzer, auf das Wesentliche reduziert, prägnant. Es muss ja nicht immer das langatmigste Finale werden und die Thematik hat es verdient, noch mal erwähnt zu werden.

Fazit: Also ob das, was Nils da zaubert, in ein Videospiel gehört, muss wohl eher ein Zocker beantworten. Ich finde, es hat viel mehr verdient. Was er hier zaubert, sind gigantische, betörende Klanglandschaften. Für gewisse Dokumentationen, dramatische Szenen, Splatter Movies, etc. etc. hätte ich diese Welten als Soundtrack vorgeschlagen. In einem Videospiel wäre die Musik unangebracht und viel zu schade. Da achten die Wenigsten auf die Musik. Aber es ist sein Traum. Vor allem macht er eins deutlich: festlegen lassen will er sich nicht! So viel Abwechslung, so viele Spielereien aus zig verschiedenen Genres – ich finde das sehr genial und hoffe, dass ein breites Publikum mit Vorliebe für derart Spielereien auf seine neue Platte aufmerksam wird! Er hat es wirklich verdient und auch die lange Schaffensphase war denke ich notwendig, um solch Epos zu erschaffen! Es gibt Alben, die brauchen das. Es muss nicht dauernd was Neues raus kommen. Und Neon Insect gehören zu den perfekten Beispielen, die genau das belegen.

Tracklist:

01. Thoughtcrimes
02. L.L.t.Q. (feat. Leaether Strip)
03. Sneaky
04. The Council (Enlia Remix)
05. 不協和音
06. To The Moon And Back (feat. Twill Distilled)
07. Grey Hat
08. I.D.C.
09. Sneaky (Ambient)
10. 不安心
11. Thoughtcrimes (Radio Edit)

Bestellen: Bandcamp

VÖ: 16.02.2018
Genre: Classic, Soundtracks, Trailer-Music, Electronic
Label: Eigenproduktion

Neon Insect im Web:

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