Mono Inc. – Symphonies of Pain – Hits and Rarities

MONO INC.

Zuletzt ist man den musikalischen Nordlichtern von MONO INC. auf Schiffswegen gefolgt, hat die stürmische See bezwungen und als Teil der Bootscrew auf den Konzerten in ganz Deutschland Abenteuer erlebt. Nach dem durchschlagenden Erfolg von „Together Till The End“ und der darauffolgenden gleichnamigen Tour haben die vier Hamburger entschieden, das Schiff vorerst im Hafen zu lassen und sich eine Pause zu gönnen. MONO INC. wären allerdings nicht MONO INC., wenn sie nicht den Fans ein Doppel-Album mitgeben würden, das es in sich hat und damit den gewöhnlichen Rahmen einer klassischen Best-Of Zusammenstellung sprengt. „Symphonies of Pain – Hits and Rarities“ ist der antithetisch anmutende Titel, der gleichnamige Song ist neben 16 anderen auf der ersten Platte zu finden, die völlig zu Recht den Titel „Hits“ trägt. Mit Klassikern (CD1) und seltenen Perlen (CD2) wurden die letzten 14 Jahre der Bandgeschichte eindrucksvoll nachgezeichnet. Vom teilwahnsinnigen „My Sick Mind TV“ der früheren Tage über den größten deutschsprachigen Hit „Heile, Heile Segen“ hin zu der hymnengleichen Kooperation „Children Of The Dark“ vom letzten Album, wird man mitgenommen auf eine Reise durch die musikalische Lebensgeschichte der Düster-Rock-Ikonen. Mit dieser Scheibe dokumentieren MONO INC., welch monumentales Repertoire sie sich in den Jahren aufgebaut haben. (Pressetext) „Symphonies of Pain – Hits and Rarities“ erscheint am 24. November 2017 über NoCut.

Atmosphärisch und textlich sehr passend startet Mono Inc. mit „Voices Of Doom“, erschienen als EP und auf dem Album „Voices of Doom“ (2009), dass als Vorlage für den Dark Rock von Mono Inc. durchgehen kann. Fast in logischer Konsequenz folgt dass als Single (2016) und auf dem Album „Together Till The End“ (2017) veröffentlichte „Children Of The Dark“ in Kooperation mit Thilo Wolff (Lacrimosa), Joachim Witt und Chris Harms (Lord of the Lost). Eine Hymne an die Kinder der Nacht, die schwarzgewandeten Melan- choliker, denen Schwarz schon immer bunt genug war. Der größte deutsche Hit von Mono Inc. „Heile Heil Segen“ wurde sowohl als Single als auch auf dem Album „Nimmermehr“ (2013) der Öffentlichkeit präsentiert. Es erinnert an einen alten Kinderreim, der in diesem Track wie ein Mantra wiederholt wird. „In The End“ als Ballade auf dem Album „After The War“ (2012) zu hören besticht durch die Schlichtheit der Komposition und dem schön eingängigen Klaviereinsatz. Mit dem plakativen Namensgeber des Doppelalbums „Sym- phony Of Pain“ zeigt Mono Inc. die thematische Richtung seiner Texte und die grundsätzliche Stimmung ihres Stils: Symphonischer Dark Rock mit einer gehörigen Prise Düsternis. Veröffentlicht wurde die Symphonie des Schmerzes als EP und auf dem Album „Viva Hades“ (2011). Dieser Song hat die klassischen Qualitäten von Mono Inc.´s Stil, nämlich eingängige und schöne Hooklines. Auch „Boatman (feat. Ronan Harris)“ ist eine Kooperation, diesmal mit Ronan Harris von VNV Nation. Der Titel wurde als Single ausgekoppelt und erschien auf dem Album „Together Till The End“ (2017). Ein sehr weicher, schwebender Track, der in seiner Machart doch hervorsticht, allein durch die dramatischen Trumpets am Anfang. Wie der Name schon andeutet, enthält nächster Track arabische Anklänge: „Arabia“ als Single erschienen und auf dem Album „After The War“ (2012) fällt durch seine orientalischen Anteile auf und durch sein hohes Tempo. Ein schöner Kontrast ist die hart gespielte Gitarre im Refrain. „Potter’s Field“ wurde als herzschwere Ballade auf „Viva Hades“ (2011) veröffentlicht und zeigt mal wieder deutlich die starken Harmonien von Mono Inc. — diesmal mit gezupfter Gitarre. Sie können auch sehr gut langsam. Direkt synthiehaft und mit viel Temperament gehts weiter mit „Forgiven“. So zu hören auf dem Album „Voices of Doom“ (2009). „Wave No Flag“ ist eigentlich DAS heimliche Flaggschiff ihrer Lieder, weil es vor Intensität und Dramatik regelrecht vibriert. Es wurde als Single auf dem Album „After The War“ (2012) veröffentlicht. „My Sick Mind TV“, ein hypnotischer Titel, der jüngst von Tourbegleiter MajorVoice auf seinem Album neu interpretiert wird. Es erschien auf dem Album „Temple Of The Torn“ (2007). Bei „Teach Me To Love“ ist Martin Engler im Duett mit ex-Xandria Sängerin Lisa Middelhauve (2000–2008 und 2010) zu hören, was ganz bezaubernd klingt. Die Ballade darf natürlich hier auf keinen Fall fehlen. Sie war als Single und auf dem Album „Pain, Love & Poetry“ (2008) veröffentlich worden. „Euthan- asia“ ist schon etwas älter. Dieser druckvolle Titel erschien auf dem Album „Head Under Water“ (2004) und später noch einmal auf dem Album „Nimmermehr“ (2013). Die ein- setzende Orgel ist recht ungewöhnlich für Mono Inc. bei „Get Some Sleep“, enthalten auf Album „Pain, Love & Poetry“ (2008). „Viva Hades“ vom gleichnamigen Album (2011) ist tendenziell eher ein gutes, altes Rockstück mit typischen Gitarrenriffs und fällt deshalb etwas aus dem Rahmen, aber gut. Ganz anders dagegen ist „Never-Ending Love Song“ auf dem Album „Terlingua“ (2015) mit schwebendem Soundteppich und glockenklarer Gitarre auf Echoeffekt. Eine wehmütige Ballade ist „Time To Go“ auf Album „Voices of Doom“ (2009). Zeit zu gehen ist noch lange nicht. Es folgt die zweite CD.

Auf den sog. B-Seiten — eine Hommage an die Zeiten, als die Platten noch aus Vinyl waren und tatsächlich zwei Seiten hatten — lassen sich oft ganz feine Schätze finden als würdevolle Begleiter der großen Titel. Auf dem aktuellen Album „Together Till The End“ (2017) wird das Flaggschiff von einem Geisterschiff „Ghostship“ als Co-Track begleitet, was sich in dessen Fahrwasser gut macht. „Cemetary Of Hearts“ war als Bonustrack auf dem Album „Together Till The End“ (2017), obwohl er thematisch nicht in die Seefahrerromantik passt. Der Titel plätschert leider musikalisch etwas belanglos dahin. Der nächste Titel „Beggars And Kings“ ist auf dem Album „After The War“ (2012) ebenfalls als Bonustrack dazugekommen und deutlich spannender als „Cemetary Of Hearts“. Die untergelegten Synth-Akkorde erzeugen eine schöne Spannung. Der nächste Bonustrack, die Ballade „So Long Farewell“ wurde auf dem Album „Nimmermehr“ (2013) veröffentlicht und ist ein sehr ruhiger, weicher Vertreter seiner Art, aber nicht ohne Reiz, der mit wenig Dramatik auskommen muss. Auf dem Album „Terlingua“ (2015) befand sich „For All We Have To Suffer“ als Bonustrack. Sehr schön fügt sich der unterlegte Orgelsound in das Lied ein und lässt aufhorchen. Die Gitarre klingt wie aus einem alten Westernsong. Dieser Titel hat was. Der recht spezielle Synthsound am Anfang kommt ganz anders an bei „Don’t Let It Go Wrong“, aber leider kämpfen die fetten Streicher und die etwas unspektakuläre Gesangs- melodie die tollen Ansätze dieses Titels nieder. Da könnte mehr draus werden durch Nachbearbeitung. Dieser wurde der Deluxe Box des Albums „Nimmermehr“ (2013) als Bonustrack zugefügt. Das waren die Bonustracks. „Why Can’t I“ war Begleiter auf der EP „Comedown“ (2012) und ist ein Song, den man beim Autofahren gern etwas lauter dreht. Ein richtig typischer Synthieklang aus der Elektrokiste zusammen mit einer rockigen Gitarre formen „Damn Happy Man“ auf der EP „An Klaren Tagen“ (2015). Diese beiden klassischen Sounds aus den unterschiedlichen Genres klingen interessant zusammen. „Comedown“ als Titelstück auf der EP „Comedown“ (2012) rockt richtig los und hat eine schöne Tiefe. Stimmungsvolle Klavierbegleitung gibt „Ghost Town Gates“ auf dem Album „Terlingua“ (2015) wieder diesen Mono Inc. typischen emotional-romantischen Touch. Das ist so schön, dass es weh tut. „House On Fire“ auf der EP „Avalon Unplugged“ (2016) hat einen leichten, poppigen Midtempo Stil. „Kein Weg zu Weit (unplugged) feat. Joachim Witt“ war Single und Bonustrack auf „Nimmermehr“ (2013) und darf sich mit Klavier und Geige in Position bringen für Joachim Witts eigensinnige Stimme. Darauf folgt ein weiteres ruhiges Stück ebenfalls auf Deutsch. „Alter Mann“ erschienen nur auf der EP „Heiland“ (2015) und verlässt musikalisch etwas den Rahmen. Ein bedrohlicher Basslauf untermalt mit düsterer Stimmung die hypnotische Wirkung von diesem Titel. Gänzlich unveröffentlicht ist „Out Of My Head“ — jedenfalls von Mono Inc. —, denn dieser Track ist eine Coverversion von Kylie Minogues „Can’t Get You Out Of My Head“ (2001) und klingt in dieser Fassung sehr ungewöhnlich. „In My Darkest Hours“ von der EP „Comedown“ (2012) besticht wieder durch die schöne Klavierbegleitung und den zweistimmigen Gesang. Mit viel Rockpower steuert das in deutsch gesungene „Feuer“ auf das Ende des Doppelalbums zu. „Feuer“ wurde von der EP „An klaren Tagen“ (2015) genommen. „Boatman (unplugged) feat. VNV Nation„ von der gleichnamigen EP (2017) ist wirklich gefühlvoll akustisch und der zweistimmige Gesang der beiden Männer kommt in dieser Version sehr schön rüber. Bemerkenswert, dass als Abschluss nicht der typisch bombastische Symphoniecocktail eingeschenkt wird, sondern eine ganz schlichte Variante mit Klavier, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang, die sehr beseelt den Abschlussakkord spielt. Sehr schön!

Fazit: Ein Best of – Album, das eine längere Zeitspanne des Schaffens zeigt. Durchdacht haben Mono Inc. es dahingehend, dass nicht allein ihre Hits hintereinander aufgereiht sind, sondern ein Doppelalbum herausgebracht wurde, das aufgeteilt ist in den obligatorischen Klassikern, mit dem Besten der letzten 14 Jahre von Mono Inc. und dem Rarities-Teil, der Titel aus dem Nähkästchen der Bandgeschichte an die Öffentlichkeit bringt: B-Seiten, „vergessene“ Perlen und ein unveröffentlichter Titel. Auf dieser Doppel-CD brettern gleich 34 Ohrwürmer mit 2,5 Stunden Spielzeit auf einen nieder. Darunter sind kaum doppelte Titel, wie sie oft als Liveversionen, unplugged oder von befreundeten Künstlern bearbeitet auf solchen „Best of – Alben“ oft zu finden sind. Letztes Jahr brachten Mono Inc. schon reichlich Live Material auf den Markt, danach gleich Anfang dieses Jahres das Album „Together Till The End“ und nun das Doppelalbum „Symphonies Of Pain“. Das ist sehr viel Mono Inc. innerhalb eines Jahres. Auch aus diesem Grund ist es ein sehr schöner Einfall, den Hits die Rarities beizugesellen, der aber teilweise mehr den eingefleischten Fans zusagt. Bonustracks sind ja oft deswegen Bonustracks, weil sie nirgendwo richtig hin- passen, gegenüber anderen Titeln qualitativ hintenüber fallen, weil sie nicht richtig ausgegoren sind. Dieses Werk zeigt deutlich, dass ihr Dark Rock über all die Jahre immer aus den Tiefen einer romantischen Seele stammt. Aus diesem Grund kann Mono Inc. einfach nicht ohne Pathos auskommen, nicht ohne die große musikalische Geste, die die Hooklines prägt, die sich so sehr eingängig ins Gehör und ins Gemüt einschmeicheln. Das ist eben MONO INC. !!!

Tracklist:

Disk: 1

01. Voices Of Doom
02. Children Of The Dark
03. Heile, heile Segen
04. In The End
05. Symphony Of Pain
06. Boatman
07. Arabia
08. Potter’s Field
09. Forgiven
10. Wave No Flag
11. My Sick Mind TV
12. Teach Me To Love
13. Euthanasia
14. Get Some Sleep
15. Viva Hades
16. Never Ending Love-Song
17. Time To Go

Disk: 2

01. Ghostship
02. Cemetary Of Hearts
03. Beggars And Kings
04. So Long, Farewell
05. For All We Have To Suffer
06. Don’t Let It Go Wrong
07. Why Can’t I
08. Damn Happy Man
09. Comedown
10. Ghost Town Gates
11. House On Fire
12. Kein Weg zu weit (unplugged) feat. Joachim Witt
13. Alter Mann
14. Out Of My Head
15. In My Darkest Hours
16. Feuer
17. Boatman (unplugged) feat. VNV Nation

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VÖ: 24.11.2017
Genre: Dark Rock
Label: NoCut

Mono Inc. im Web:

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