Lacrimosa – Testimonium (CD-Review)

Lacrimosa

Wenn Lacrimosa–Mastermind Tilo Wolff die Feder schwingt, dann darf man durchaus großes erwarten! Zwar knüpfte das letzte Studioalbum „Hoffnung“ (2015) nicht an die Härte des Vorgängers „Revolution“ (2012) an, jedoch umgarnte es, auf seine ganz eigne Art und Weise, die Herzen der Fans. Und ich meine Wechsel im Soundbild sind in den Jahren einer Band voll okay. Siehe Lacrimosa, da herrscht eine stete Veränderung im Klangbild. Im vergangenen Jahr stand der Wahlschweizer dann zusammen mit Joachim Witt & Chris Harms (Lord of the Lost) als Gastsänger für die Mono Inc.-Single „Children Of The Dark“ hinter dem Mikro – gemeinsam lieferten die Herren eine Hommage an die Schwarze Szene. Im Juni 2017 gab Tilo nähere Informationen zum kommenden, dreizehnten Studioalbum bekannt und die Idee, die dahinter steckte, ließ aufhorchen. „TESTIMONIUM“, so der Titel, soll die musikalische Tradition aller bisherigen Werke von Lacrimosa gewissermaßen vereinen und doch soll es kein gewöhnliches Album sein. Das neue Werk ist ein Requiem in vier Akten im Gedenken an die 2016 verstorbenen Musiker, die Tilo als seine Helden und Lehrer beschreibt, die ihn zutiefst geprägt haben. Dabei soll es sich um kein Coveralbum oder ähnliches handeln, vielmehr entstanden unter den Eindrücken, der Trauer und dem Verlust der Künstler Songs aus Tilos Feder, die nun ihren Platz auf besagtem Studioalbum finden sollen. (Text by Andre Stasius)

Am 25.08.2017 ist es erscheinen und 10 Titel umfasst dieses Mammutwerk mit dem epischen verdienten Namen. Wie die klingen, erfahrt Ihr jetzt. Alleine schon der Opener „Wenn unsere Helden sterben“ legt Zeugnis über das von Tilo verfasste Denkmal ab. Tieftraurig, packend, Millionen Liter Herzblut, Klassik, Tilo und Anne sind zu hören. Gesang, Text und Hinter- grundmusik bilden eine wundervolle tief treffende Einheit. Einfach nur wundervoll! Ich kann mich seinen Worten nur anschließen! Direkt im Anschluss präsentiert sich die brandneue Single „Nach dem Sturm“, versehen mit einem wunderschönen Video. Ein Monument, zeitgenössiche Kunst, back to the roots of Lacrimosa, mitreißend, packend, Klassik, Gothic Opera Rock, Klänge wie dunkle Wellen, die gegen hohe Felsen schlagen. Worte wie Wasser auf der Haut gepaart mit messerscharfen Schnitten und bittersüßem Gift. Einfach nur genial! Damit endet Akt 1 und es geht nahtlos ohne irgendeine Pause über in Akt 2 und „Zwischen allen Stühlen“. Toll gemacht, tolle Thematik, auf den Punkt formuliert. Wie bereits erwartet, entpuppt sich der „Weltenbrand“ als wahres Monstrum Gigantum. Hoffnungslosigkeit, ruhige Passagen folgen auf pures Gedröhne, Verzweiflung trifft auf totale Apokalypse. Eigentlich total passend, so reagiert man eben innerlich auf den Wegbruch der Helden, die Welt wird ein wenig dunkler, verliert ihre Farbe, einem wird bewusst dass die Gesellschaft einen Anteil am Tod hat. All das verarbeitet Tilo hier. Ein kleines Stück Paradies liefert „Lass die Nacht nicht über mich fallen“. Der Name alleine ist so schön dunkel-romantisch wie es diese Perle insgesamt ist! Einfach nur zum Träumen schön! Fallen lassen, entgleiten. Akt 3 beginnt mit „Herz und Verstand“. Das hatten alle verstorbenen Künstler. Und sie haben es mitgenommen. Die heutige Zeit lässt diese 2 Eigenschaften sehr vermissen. Musikalisch wird es melancholisch-rauh. Sehr gut gemacht! „Black Wedding Day“ ist der erste englische Titel der CD. Deftig, rockig, metallisch, bitterböse, trotzdem zerbrechlich und traumhaft schön. Eben eine richtige Black Wedding. Da darf natürlich auch der Klassik-Anteil nicht fehlen. In dem Bezug der Album-Thematik darf „My Pain“ nicht fehlen, der zweite und letzte englische Track. Hier singt hauptsächlich Anne und es ist immer eine pure Freude, wenn sie am Mikro steht. Elfengleich, opernhaft, elfengleich und doch ausdrucksstark. Wer könnte Schmerz besser ausdrücken! Der Stil wechselt zwischen opernhaft und metallisch. „Der leise Tod“ ist eigentlich gar nicht so leise. Abgesehen vom fast geflüsterten, geraunten Gesang. Damit beginnt der letzte vierte Akt. Hier ist Lacrimosa wie Lacrimosa leibt und lebt. Klassisch, gefühlvoll, Millionen Liter Herzblut, ansprechend, mitreißend, packend, zerreißend. Und einfach nur wunderschön und lyrisch allererste Sahne! Letzter Akt. Letztes Lied. Zur Krönung darf natürlich das Herz- und Titelstück „Testimonium“ nicht fehlen. Mir fehlen ein wenig die Worte. So begeistert bin ich von diesem Werk. Tilo setzt Lacrimosa, sich und den verstorbenen Legenden ein weiteres Monument, ein Denkmal, ein Monolith im Strom der Zeit! Ich empfinde das so und bedanke mich entsprechend für dieses Werk!

Fazit: Ich sagte es ja gerade eben schon: Tilo setzt Lacrimosa, sich und den verstorbenen Legenden ein weiteres Monument, ein Denkmal, ein Monolith im Strom der Zeit! Man kann es nicht anders sagen. Eines der besten Werke von Lacrimosa und mein Album of the year, wenn es so etwas gibt. Selbst Nicht-Fans von Tilo Wolff und Lacrimosa empfehle ich dieses Testament, möchte man schon fast sagen. Die Texte waren schon immer höchste Stufe tollster Lyrik und sehr persönlich, aber dieses Werk toppt das! Als wäre es mit Tilos und Annes Blut geschrieben. Abwechslungsreich, zerbrechlich, höllisch, apokalyptisch, Abschied, Herzschmerz, Trauer, Demut, gedankenlos abschweifend, innerlich zerfetzt. Alle Phasen, die eine Trauer hat, werden hier in vier Akten aufgezeigt. Natürlich wird es immer Stimmen geben, die sagen, dass es falsch wäre, man kannte die Menschen ja nicht. Aber man hatte einen Bezug, sie waren wichtige Bestandteile unseres Daseins, wir sind mit ihnen groß geworden, es waren unsere Helden. Weswegen denn dann nicht ein persönliches Denkmal setzen. Das wurde hier getan und es ist einfach nur bombastisch!

Tracklist:

01 Wenn unsere Helden sterben
02 Nach dem Sturm
03 Zwischen allen Stühlen
04 Weltenbrand
05 Lass die Nacht nicht über mich fallen
06 Herz und Verstand
07 Black Wedding Day
08 My Pain
09 Der leise Tod
10 Testimonium

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VÖ: 25.08.2017
Genre:
Label: Hall of Sermon (Sony Music)

Lacrimosa im Web:

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