Krayenzeit – Von Mond Und Schatten (CD-Review)

Krayenzeit

Die Krähen aus Stuttgart verdunkeln wieder den Himmel! Ein Jahr nach ihrem erfolgreichen zweiten Album Tenebra sind Krayenzeit zurück und veröffentlichen am 27.10.2017 ihren neuen Longplayer Von Mond und Schatten. Die Band hat sich deutlich weiterentwickelt und das Songwriting des neuen Albums zeigt eine bis dato ungekannte Bandbreite und Experimentierfreudigkeit. Ob metallisch, folkig oder balladesk – Krayenzeit präsentieren sich energiegeladen, tanzbar und emotional wie nie zuvor. Krayenzeit zeigen deutlich, dass es mit aufgespannten Flügeln nur eine Richtung gibt: Nach oben! Um das neue Album gebührend zu promoten, begleiten Krayenzeit ihre Freunde von Schandmaul im Herbst ’17 auf deren Von Leuchtfeuern und anderen Halunken-Tour in Deutschland, Österreich und der Schweiz. (Pressetext)

Ein engelschönes „Intro“ führt uns überraschend mystifiziert in die mittelalterlich ange- hauchte Welt von Krayenzeit. Der Wechsel zum nächsten ist noch überraschender, schier brutal aus der schwebenden Atmosphäre herausgerissen mit „Spieglein Spieglein“ an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land. Um Eitelkeit und Narzissmus geht es in diesem dynamischen Titel. Die Doublebase macht ordentlich Druck zum Pogotanz, denn „30 Silberlinge“ sind hart verdienter Lohn im härtesten Gewerbe der Welt. Mit „Am Leben“ folgt die erste Auskopplung. Dieser Song trägt nicht nur sehr viel von Sänger Markus Engel, sondern wird auch noch durch die hochkarätige Runde wie Malte Hoyer (Versengold), Anna Murphy (ex-Eluveitie, Cellar Darling), Anna Katharina Kränzlein (ex-Schandmaul) und Katja Moslehner (ex-FAUN), die diesem Stück ihre herausragenden Stimmen geliehen haben, perfekt abgerundet. Das darf man ruhigen Gewissens eine Hymne nennen. Hier wurde eindeutig ein klares, lebensbejahendes Statement gesetzt! „Wir sind die Sünde“ tanzt so fröhlich mit Geigen und Flöten, dass diese Sünde gewiss nicht schwer wiegt. Geige und Drehleier begleiten die „Krähenkönigin“ mit schweren Gitarrengeschützen in die Gefilde der Nacht. Ein schönes Fantasy-Element passend zum eigenen Bandnamen präsentiert den Stil der Krähen. Temperamentvoll und mit ein Hauch von Wehmut gibt „Blut von meinem Blut“ alles. Die Doublebase powert das Stück ungemein nach vorn. Der Gesang erinnert ein wenig an alte Hardrock-Nummern. „Nirgendmeer“ glättet das erregte Gemüt aus dem Vorgängerstück als Ballade: Gefühlvoll und wiegend wie die See schmeichelt es sich in Gehörgang und Herz. Sehr, sehr schön die gezupfte Gitarre und die zarte Geige! „Ikarus“, findet zur Krayenpower zurück und zeichnet Bilder von Freiheit und Unabhängigkeit. Eine hübsche Flötenmelodie eröffnet „Kein Engel“ und bringt einen wehmütigen Sound in diesen ansonsten druckvollen Track. Hinzugegeben wird noch ein schon fast klassisch zu nennendes Gitarrensolo als Element des Rock/Metal. Nicht weniger druckvoll, aber etwas „folkiger“ geht es zu in „Du bist mein Henker“. Thematisch angesiedelt in der mittelalter- lichen Art der Exekutive. „Orpheus“ als Sinnbild für Heldenmut und Unerschütterlichkeit, ihm ist dieses Stück gewidmet mit der typischen Doublebase, die aber in den Einschüben zur Ruhe kommt und einer gefühlvollen Melodie Platz macht. „Die Wut“ wird im Refrain von chorischen Einschüben unterstützt, was sich gut macht in diesem Stück. Harfenklänge geleiten das „Tagelied“ ans Licht. Nach dem ganzen Druck, Power und Doublebase der letzten fünf Titel ist das jetzt sanfte Erholung pur. Die Geigen zaubern einen spinnweb- feinen Teppich aus Klang. Das ist sehr bezaubernd. Gespannt bin ich auf die „Vogel- hochzeit“. Sie werden doch nicht das alte Volkslied vertont haben? Mitnichten! Höret dieses freche Tavernenlied! So können Krayenzeit also auch und werden dabei auch noch von ihren großartigen Kollegen von HARPYIE unterstützt. Ein besseres Ende hätte man sich aus dem Album nicht wünschen können. Tolles Finale!

Fazit: Krayenzeit texten gern tiefsinnig und mit Überlegung, haben aber augenzwinkernd mit der Vogelhochzeit ein typisches Tavernenlied mit im Gepäck. Das Album zeichnet sich vor allem durch abwechslungsreiche Kompositionen zwischen klassischen Rock/Metal und Mittelalter Folk Elementen aus. Der Wahlspruch von Krayenzeit könnte sein: Auf die Dauer hilft nur Power. Der Schlagzeuger könnte problemlos in jeder Heavy Metal Band mitspielen und auch die Gitarre gibt häufig genug breit verzerrt ihren Tribut zum Metal dazu. Auf der Bühne spielen sie garantiert mit ihrem Gemisch aus High Energy ‚Metal’ alter Folk Rock jeden an die Wand. Was Krayenzeit aber erstklassig können, sind die ruhigen Stücke. Die Balladen sind richtig intensiv geraten, davon kann man gern mehr hören. Besonders zu erwähnen ist das lebensbejahendes Statement „Am Leben“. Insgesamt ist es ein für dieses Genre sehr charismatisches, Funken sprühendes Album!

Tracklist:

01 Intro
02 Spieglein, Spieglein
03 30 Silberlinge
04 Am Leben
05 Wir sind die Sünde
06 Krähenkönigin
07 Blut von meinem Blut
08 Nirgendmeer
09 Ikarus
10 Kein Engel
11 Du bist mein Henker
12 Orpheus
13 Die Wut
14 Tagelied
15 Vogelhochzeit

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VÖ: 27.10.2017
Genre: Mittelalterrock, Folkrock
Label: Oblivion (Spv)

Krayenzeit im Web:

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