Koraktor – Bestie Mensch (CD-Review)

Koraktor

«Bestie Mensch» – das neue Album des Schweizer Trios Koraktor überzeugt durch ein orchestrales Synthie-Feuerwerk, unterlegt mit drückenden Bass Klängen und schleppenden Gitarrenriffs. Dabei entführt Sänger Gabriel K. die Zuhörer in die Tiefen der menschlichen Abgründe. Er singt über das Zweifeln, die Selbstzerstörungswut der Menschen und die verlorenen Momente im Leben. Die Musik gepaart mit der Bassbariton-Stimme fesselt, reisst mit und geht unter die Haut (www.koraktor.bandcamp.com). Bisher existieren übrigens das Debüt-Album „NachtBilder“ (Mai 2010) und die EP „Abgrund“ (Oktober 2013). Man sieht schon, dass das Trio sich Zeit nimmt für seine Werke. Nicht das schlechteste.

Seit dem 03.11.2017 ist die Krankheit „Bestie Mensch“ nun unterm Volk und wütet mit 10 brandneuen Tracks. Wie das Dreiergespann jetzt über die verschrienste Rasse urteilt, erfahrt Ihr jetzt. Es eröffnet die „Endzeit“. Ein gewaltiges, epochales, gigantisches Instru- mental. Gewaltige Synthie-Teppiche. Der erwähnte Bassbariton-Gesang kommt dazu, starker Dunkelmetal gesellt sich zu den Untergangsmelodien. Der Text handelt von den lebenden Geistern, die man rundum betrachten kann. Ob in der Stadt oder im Bus. Überall spürt man, dass das nicht mehr lange gut gehen kann. Sehr starker Opener, klasse gesungen, genial gemacht. Es folgt die „Todesfuge“. Klassikhaft, opernhaft, tragisch-dramatisch, bedrückende Atmosphäre, einem Grusel-Kammerorchester gleich. Die militärisch anklagenden Drums verfeinern das eben erwähnte Bild nur noch. Mit „Masken“ laden Koraktor zum düster-schweren Maskenball. Ihr seid herzlich eingeladen, unter der Maske zu bluten und zu schwitzen, während Ihr den Anschein der Maske aufrecht erhalten wollt. Das wird mit Darkwave, Ball-gerechter Musik, militärischen Drums, Bassbariton, kehligem Gesang und sehr viel Inbrunst vertont. „Dein Maerchen“ ist ganz besonders beeindruckend. Das Zerbrechliche, Orchestrale von Deine Lakaien trifft auf das dunkel- düstere Image von Ewigheim. Wundervoll erzählt, höchst beeindruckend vorgetragen, zutiefst einschneidende Worte, berührende Atmosphäre, Darkwave trifft auf emotionalen Dark Rock. Was für eine wunderschöne, zerbrechliche, tief treffende Perle! Ihr könnt Euch vorstellen, worum es vor dem Hintergrund Bestie Mensch geht. „Voelkerschlacht“. Ein Titel, der in Zeiten wie unseren, auf solch einem Album, nicht fehlen! Militanter Darkwave Gothic Rock erklingt hier passenderweise, während der Bassbariton von grausigen Schlachtfeld-Anblicken erzählt. Nix für schwache Nerven, der Sänger erzählt das schon sehr detailreich! Aber das verlangt die Thematik immerhin auch und Schlachten sind nie etwas für schwache Nerven! „Der letzte Tag“ baut rein inhaltlich in gewisser Weise auf den Opener auf, immerhin behandelt er den Finaltag. Sirenen, Darkwave, Dark Rock, Beerdi- gungs-Atmosphäre, schwarze Schwere, sehr bedrückend, Abschiedsstimmung. Wahrlich umwerfend und sehr gut umgesetzt! Was am letzten Tag passiert ist? Erfahrt Ihr durch Anhören. „Nur ein Gedanke“ ist eine mit Klavier und Bassbariton vorgetragene opernhafte Aufführung, die ihresgleichen sucht. Ein makelloses Kleinod ist hier entstanden, das man lieben muss! Im späteren Verlauf kommen Streicher, kehliger Gesang, Dramatik, große Emotionen und militante Drums dazu. Was für ein tief berührende Darbietung! „Kalter Asphalt“ erinnert an das Mädchen mit den Streichhölzern, nur modernisiert mit allem, was dazu gehört. Der direkte Lebensweg in den Abgrund. Und das opernhaft vorgetragen. Was für eine Ohrenweide! „Zuerich brennt“ spricht für sich. Neben dem Opener das derbste, was die Platte zu bieten hat. Ein von Hass zerfressener, geplagter Geist. Seine Konsequenz. Es endet. „Ohne Klage“. Im Gegensatz zum Hörer, der hier Gefallen findet. Der klagt über das viel zu frühe Ende der CD! Aber er wird umso reicher beschenkt durch eine wunderschöne, tief treffende, bewegende Perle. Ein wahrlich edler Ausklang, den man gehört haben muss! Was für ein krass gut getroffener Spiegel der Arbeitswelt.

Fazit: Nur wenigen Bands dieser Tage gelingt, was Koraktor gelingt. Eine perfekte musikalische Inszenierung unserer Zeit. Das Spiegelbild der Seuche, die ihre Klauen in das weiche Fleisch der Menschlichkeit geschlagen hat. Hass, Abwendung vom System, Menschen wie Geister, Lach- und Spaßgesellschaft, weg geworfene Leben in den Straßen, die Konsequenzen daraus, Arbeitswelt, Politik. All das wird hier behandelt und das mit einer Darbietung, die ihresgleichen sucht. Darkwave. Dark Rock. Derberer Metal. Klassik. Oper. Theater. Theatralik. Dramatik. Bassbariton-Stimme. Kehliger Gesang. Militante Drums. Irgendwo zwischen Janus, Mozart, Umbra et Imago, Gothminister, Deine Lakaien, Ewigheim, Ost+Front und Nachtblut haben diese 3 Musiker zusammen gefunden. Und eine Mischung aus all dem mit noch viel mehr erschaffen. Die Schweizer behandeln Themen, die alle betreffen!

Tracklist:

01. Endzeit
02. Todesfuge
03. Masken
04. Dein Märchen
05. Völkerschlacht
06. Der letzte Tag
07. Nur ein Gedanke
08. Kalter Asphalt
09. Zürich brennt
10. Ohne Klage

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VÖ: 03.11.2017
Genre: Darkwave; Neue Deutsche Todeskunst
Label: Danse Macabre

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