Chainreactor – Decayed Values (CD-Review)

Chainreactor

Es knallt wieder im Chainreactor-Labor! Seit 2009 schraubt der Düsseldorfer Jens Minor an seiner Version von Rhythm ´n´ Noise, Electro, Industrial und einigen Noise-Elementen. Seit 2012 ist Companion Kay Schäfer als zusätzlicher Mann an den Maschinen, als Songwriter und Sänger mit an Bord. 5 Alben sind bereits erschienen, das letzte „Dirt“ 2015.

Seit dem 24.11.2017 ist nun „Decayed Values“ mit 12 brandneuen Tracks auf dem Markt. Wie die klingen, erfahrt Ihr jetzt. Den Anfang macht ein Lied mit dem starken Namen „Ruina Mundi“. Monumentale Beats, gottgleiche Klangflächen, episches Dröhnen. Das erwartet Euch beim zeitlosen, nordisch gehaltenen Opener! „The Powers“ gibt ja schon direkt die Marschrichtung für den folgenden Stampfer vor. Besonders kraftstrotzend wird es hier nämlich! Es dröhnt und zischt aus allen Ecken und Winkeln! Ich finde, hier fließt auch ein wenig EBM mit ein. Vielleicht findet Ihr ja auch durch Anhören heraus, welche Kräfte denn da Einfluss hatten. Es wird etwas düsterer und noch derber mit dem Herz- und Titelstück „Decayed Values“. Die pure Rhythm ´n´ Noise, Industrial, Noise Wand trifft Euch frontal und reißt alles nieder, was nicht angeschraubt ist. Richtig stark und die wahre Club-Granate! Sphärische Melodien, fast wie die Geister Verstorbener, fliegen während des Liedes durch den Raum. Wahrlich gespenstisch und super gemacht! Übersetzt heißt der Titel übrigens verfallene Werte. Das sagt alles. Noch mehr club-orientiert neben „The Powers“ ist die „Beat Control“ und wenn ich mich nicht irre, sind die zu hörenden Worte von Kay. So oder so eine starke, schweißtreibende Nummer. Und wir lassen den Beat gerne die Kontrolle über uns und unseren Körper nehmen! „The Devil´s Trick“ zieht uns auch sofort in seinen höllisch guten Bannkreis und verzaubert sofort. Gut anschnallen und festhalten, es wird eine holprige Fahrt! Weiter geht es mit „Agony“ und es wird bitter von der Atmosphäre und den Melodien. Gleichzeitig drücken die Herrschaften aber auch das Gaspedal ordentlich durch und so donnert diese Perle wie ein vor Wut schäumender Stier aus den Boxen, um Euch zu rammen und Klänge der Erleuchtung mischen sich mit hinein! Wo wir doch vorhin bei verfallenen Werten waren. Die werden auch in „Hatred“ thematisiert. Leider nur in Klängen und Samples, hier hätte ich mir Kays Einsatz gewünscht. Nichtsdestotrotz schaffen es die Herrschaften, dass die Thematik auch ohne Gesang spürbar ankommt. In eine ähnliche Richtung zielt natürlich auch der „System Shock“. Wie das Sample schon eingangs richtig erwähnt: „it is coming, it´s just a question of time“… Auch das „Legendary Suffering“ darf sich in der Weltuntergangsreihe anstellen. Ob es dann ein legendäres Leiden wird, wird man sehen. Beim „Impact Drill“ prallen Rhythm ´n´ Noise aufeinander, dass man es vergleichen kann mit dem Aufprall zweier Züge. Also das totale Brett! Angesichts der Thematik aber auch berechtigt! Sogar ein „deutscher“ Titel hat seinen Weg gefunden. „Angst“ passt natürlich auch perfekt in die Riege und es wird extrem düster und dröhnend. Mit Pauken, Trompeten und Sirenen der Untergang eingeläutet. Es folgt der Endgong mit „Scottish Coldness“. Und ich kann nur wiederholen, was ich vorhin schon mal erwähnte. Die klirrende Kälte, die Einsamkeit, die Faszination Schottlands wird perfekt eingefangen, als wäre man direkt vor Ort! Ein perfekter Schluss, aufbauend auf den nordischen Opener!

Fazit: Ein wahrlich starkes Werk und meiner Meinung nach eines der besten der bisherigen Bandgeschichte! 2 Jahre haben sich Jens und Kay Zeit gelassen und gerade bei dem, was hier abgeht, war das notwendig! Immerhin geht es, wie bereits erwähnt, um verfallene Werte. Dementsprechend geht es hier ordentlich zur Sache mit entsprechenden Thematiken. Das legendäre Leiden, der System-Schock, der Impakt Drill, Angst, des Teufels Trick, Hass – einmal das komplette Weltbild mit düsterstem Ausgang! Richtig gut verarbeitet in gescheitem Gedröhn. Neben den ernsten Themen gibt es mit „The Powers“ und „Beat Control“ auch etwas für die Lach-, Spaß- und Partygesellschaft. Mit „Agony“ gibt es die musikalische Erleuchtung, der Rest ist nordisch. Also für alle was dabei.

Tracklist:

01 Ruina Mundi
02 The Powers
03 Decayed Values
04 Beat Control
05 The Devil’s Trick
06 Agony
07 Hatred
08 System Shock
09 Legendary Suffering
10 Impact Drill
11 Angst
12 Scottish Coldness

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VÖ: 24.11.2017
Genre: Industrial / Techno / TBM / Rhytmic Noise
Label: Pronoize (Broken Silence)

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