BRDigung – Zeitzünder (CD-Kritik)

BRDigung

Kaum eine Band schafft die Kombination zwischen Rock, Punkrock und Metal so gut, wie die Jungs von BRDigung. Die Kemptener ging es die letzten Jahre steil bergauf. Das Album in goldenen Ketten schaffte es auf Platz 25 der deutschen Albumcharts und das Nachfolgewerk Chaostheorie von 2016 erreichte sogar Platz 15. Das neue Werk, welches am 02. Februar 2018 via Rookies & Kings erscheinen wird, trägt nun den Namen Zeitzünder. Vollgepackt mit 16 Nummern, die einen Spagat zwischen politisch aktuellen Themen und einer Prise gut gewählter Ironie schaffen.

Das Album beginnt mit einem melodischen Intro, dass sich langsam steigert und sowohl Spannung als auch große Erwartung erzeugt. Dramatisch ansteigend unterstützt von dominant einsetzenden Gitarren wird die Neugierde auf die folgenden Tracks geweckt. Mit „Mittelfingerautorität“ geht es dann richtig los. Der Track startet mit bebenden Gitarren- riffs und einem brechend einsetzenden Schlagzeug. Die klare Stimme von Sänger Julian Cistecky fügt sich harmonisch in das Gesamtgefüge ein und trägt vorwärts. Der im Refrain geschriene Bandname wirkt nicht wie oft abgehoben oder eingebildet, sondern passt gut in die Aussage des Textes. BRDigung wollen Mauern einreisen und sich abgrenzen. Das gelingt ihnen auch mit dem folgenden Song „Kampf gegen die Leere“. Schnell und druckvoll prescht das Werk nach vorne und versprüht eine treibende Energie. Im Refrain kann man schön mitbrüllen und nicht nur deswegen bleibt er im Kopf. Viele Rhythmus- wechsel sorgen für Abwechslung und ein langgezogenes Gitarrensolo ist das Tüpfelchen auf dem I. „Ikarus und Peter Pan“ ist auf den ersten Blick zwar ein merkwürdiger Titel, aber die Aussage, die hinter dem Song steht, ist dafür umso klarer. Niemals aufgeben, seine Schatten überwinden, immer kämpfen und dabei im Herzen Kind bleiben. Wunder-schön. Überaus eingängig ist die Melodie von „Die Hände hoch“. Diese zieht sich durch den ganzen Song und sorgt so für ordentliche Stimmung. Ein Partysong, der nicht nur wegen des Rhythmus mitzieht und begeistert. Mit „Mein Lied im Radio“ geht es selbst- ironisch und gleichzeitig klischeebeladen weiter. Eine Hymne gegen Kommerz und geldgeile Künstler, die ihre Seele für den größten Gewinn verkaufen ehrlich, knallhart und mit viel Humor. Die letzten Songs waren schnell und stimmungsvoll, aber man könnte auch sagen etwas seicht auf der musikalischen Ebene. Jetzt wird aber wieder ordentlich Druck gemacht. In „Lebst du noch“ zeigt Cistecky, dass er auch die tieferen Töne trifft. Der Song gegen Depressionen und seelische Krankheiten trifft genau die aktuellen Probleme und therapiert zwar nicht, aber macht trotz des bedrückenden Themas gute Laune und vielleicht auch ein bisschen Hoffnung. Ganz ruhig und besinnlich geht es weiter in „Nur noch ein Wort“. Eine Ballade, gefühlvoll mit zupfender Gitarre im Hintergrund. Leichte Tempiwechsel und eine seichte musikalische Steigerung lassen den Song gefühlvoll und herzergreifend wirken. Hier tritt aber leider ein Problem auf, das viele Deutschrockbands haben. Gesanglich nicht ganz so stark bzw. nicht ideal für ruhige Töne. Aber daran gewöhnt man sich im Laufe des Songs gut. Leicht elektronisch, aber dann punkig und schnell starten wir in „Tanzen im Regen“. Kontrastprogramm zum Vorgänger, aber mindestens genauso schön von der Aussage. Ein Lied gewidmet der Freundschaft und dem Zusammenhalt, jede Sekunde zu nutzen und das Beste aus allem zu machen. Wieder elektronisch und dieses Mal auch ziemlich verzerrt startet „Pures Gift“. Die elektronischen Elemente finden sich im Verlauf des Songs immer wieder und passen hervorragend in den gegebenen Rahmen der durch angedeuteten Sprechgesang. Die Aussage dieses Songs ist vielseitig interpretierbar und das muss wohl jeder für sich ausmachen. Ob unglückliche Beziehungen, eingegangene Verträge, falsche Entscheidungen – das muss jeder selbst entscheiden. Hier wird viel gesprochen und doch wenig gesagt. „Alles anders“ heißt der folgende Track und so be- ginnt er auch. „Wir machen alles anders“, wird gerufen, bevor die Instrumente einsetzten. Ein Song zur aktuellen gesellschaftlichen und auch politischen Lage. Gegen Heuchler und Besserwisser. Musikalisch komplett anders beginnt dann „Neues Leben“. Nur ein Piano begleitet den Gesang. Hier tritt leider wieder das gleiche Problem ein, wie bei „Nur noch ein Wort“. Die leichte Schwäche wird aber durch die einsetzenden Streicher wieder weggemacht. Auch ruhig, aber wieder mit deutlich identifizierbarer Gitarre und mehr Kraft in der Stimme wird in „Kraft Liebe Hoffnung“ kritisiert. Mit steigendem Tempo geht es gegen aufmarschierende Massen, die genau das Gegenteil von Kraft, Liebe und Hoffnung verbreiten. Dramatisch klingt der folgende Titel „Meine Idole sind tot“. Erinnerungen an die eigenen Vorbilder, die leider irgendwann ihr wahres Gesicht gezeigt haben und Fans und Freunde belogen haben. Ein Aufruf trotzdem sein eigenes Ding durchzuziehen und sich nicht von falschen Vorbildern beeinflussen oder sich durch Kritiker unterbringen zu lassen. Treibend und gute Laune verbreitend geht dieser Song ins Ohr und direkt in den Kopf. „Im freien Fall“ ist musikalisch wieder etwas ruhiger, aber dennoch voller Druck und Emotion. Rhythmuswechsel mit starker Gitarre und treibender Melodie ziehen einen tief in den Song und sorgen irgendwie sogar für Gänsehaut. Ein melodisches Outro rundet das Album ab. Streicher dominieren die abschließenden Minuten und hinterlassen den Hörer mit leicht melancholischer Stimmung.

Fazit: Ein klasse Album mit Stärken aber auch Schwächen. Ab und an hätte einigen Songs etwas mehr Druck gut getan und etwas mehr tiefe in den musikalischen Hintergrund gehört. Das ist aber nur ein kleiner Punkt auf der Minusseite, der vielen erstklassigen Songs gegenübersteht, die mit ihrer Komplexität und Kraft überzeugen können. Vielleicht nicht besser als die Vorgänger, aber mindestens genauso gut muss sich „Zeitzünder“ nicht ver- stecken.

Tracklist:

01. Intro
02. Mittelfingerautorität
03. Kampf gegen die Leere
04. Ikarus oder Peter Pan
05. Die Hände hoch
06. Mein Lied im Radio
07. Lebst du noch
08. Nur noch ein Wort
09. Tanzen im Regen
10. Pures Gift für mich
11. Alles anders
12. Neues Leben
13. Kraft Liebe Hoffnung
14. Meine Idole sind tot
15. Im freien Fall
16. Outro

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VÖ: 02.02.2018
Genre: Punkrock / Metal
Label: Rookies & Kings

BRDigung – Zeitzünder Tour 2018

02.02.2018 Krefeld, KuFa
03.02.2018 Alsfeld, Stadthalle Alsfeld
15.02.2018 Osnabrück, Bastard Club
16.02.2018 Erfurt, Club From Hell
17.02.2018 Lübeck, Riders’s Café
08.03.2018 Köln, MTC Cologne
09.03.2018 Hannover, LUX
10.03.2018 Berlin, Frannz Club
22.03.2018 München, Backstage Club
23.03.2018 Nürnberg, Der Cult
24.03.2018 Stuttgart, Club Zentral

BRDigung im Web:

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