BOYTRONIC – Jewel (CD-Review)

BOYTRONIC

Gegründet im Jahr 1983 gehören Boytronic zu den wichtigsten und erfolgreichsten deutschen Electronic Bands der Achtziger und Neunziger, mit gleich mehreren Hits in verschiedenen Besetzungen und ihrem bekanntesten Titel ´You`, der sich acht Wochen lang in den deutschen und internationalen Top 10 hielt. Im Laufe der Jahre wurden ein knappes Dutzend Alben und mehr als 20 Singles veröffentlicht, viele davon auch als Videoclip. (Pressetext)

10 Jahre nach ihrem letzten Longplayer „Dependence“ (2006), welches kommerziell hinter den Erwartungen zurück blieb, wagt die deutsche Synthpop Band BOYTRONIC nun einen Neuanfang. „Jewel“ lautet das neue Studioalbum, das 11 branneue Tracks umfasst und am 3. November über Oblivion (Spv) veröffentlicht wird. „Time After Midnight“ eröffnet das gespannt erwartete Werk mit einem Hauch von „You“ im rhythmischen Gepäck. Dies ist ein ganz und gar ohrgängiges Synthipop-Stück mit einer sehr bezaubernden Gesangslinie. Mystisch zeigt sich anfangs „The Universe“ als getragener, hymnischer Titel, der im Refrain lebendigen Futurepop hervorbringt mit schönen, individuellen Soundcollagen. Schneller wird es in „Mad Love“, tanzbar und hypnotisch legt der Takt los und die kühlen Sounds sind die feine Würze und durchaus ungewöhnlich. Dunkle Töne, etwas mystisch ange- haucht führen zum nächsten Stück: „Share“. Und wieder kommt auch in diesem Titel die überraschende Wende mit dem aus dem Industrial entliehenen Bass. Das klingt für Boytronic Verhältnisse sehr technisch kühl und böse, aber kommt richtig gut tanzbar. Das musikalische Thema passt super zum Text, der das ständige Posten von Inhalten in den sozialen Medien zum Thema hat. „My Baby Lost Its Way“ war bereits auf dem Album Working Model (2003) vertreten — ein kleines „Juwel“ aus früheren Zeiten und ein richtig typischer Titel für Boytronic. „Jewel“ ist eine grandiose Ballade mit einem Hauch von Filmmusik. Dieses tief tönende Donnergrollen als Bass im Hintergrund ist haarsträubend dramatisch. In diesem Lied zeigt sich besonders schön die Kompositionskunst der Band, wo etliche musikalische Themen mit leichter Hand zusammengeführt werden zu einem großen Ganzen. Man könnte es stundenlang hören und sich musikalisch führen lassen. „Dark Passion“ rüttelt einem wieder aus der Trance mit melancholischen Gesang in einer düsteren Note Dark Elektro hinein, wie es der Songtitel verspricht. Mit „Free To Love“ lässt die Spannung nicht nach. Im Gegenteil zieht sie nochmal an. Spannend sind hier die Effekte, die dem Gesang unterlegt wurden. Und wieder liefert Boytronic ein besonderes Intro, so auch für „Big Hands For The Dreamers“ — das Stück auf dem Album für die romantisch Beseelten „Love Is All That Matters“. Ein eingängiger Refrain, dem man sich nicht entziehen kann. Ein knackiger Disco-Beat für „Disco City“, das muss sein und das Ohr geht da voll mit. Lasersounds aus der Steinzeit der synthetischen Klänge durchpeitschen die Luft, die Robotervoices und nicht zuletzt die kleinen 70er Jahre Discosamples zaubern ein Lächeln aufs Gesicht und verbreiten den Charme von Saturday Night Fever. „New Year’s Day“ ist ein sehr schönes Cover von U2. Die Gesangsmelodie des Originals kommt deutlich durch in ihrer ganzen Schönheit. Die instrumentale Umsetzung ist aber etwas ganz eigenes von Boytronic. Sehr, sehr gut gelungen!

Fazit: Nach 10 Jahren den Faden wieder aufzunehmen, ist durchaus ein Wagnis: Boytronic verlieren sich nicht in klanglichen Spielereien, sondern präsentieren absolut künstlerisch reife, geniale Kompositionen, verwoben mit allerlei unterschiedlichen Einflüssen anderer Genres, die als musikalische Zitate eingewoben werden. Das Ganze wirkt ganz natürlich und unprätentiös, wie ungewöhnliche und sehr spezielle Synthie-Sounds und Effekte hier und da elektronisch verarbeitet und eingesetzt werden. Besonders hervorzuheben sind auch die sehr guten sängerischen Qualitäten von James Knights. Boytronic klingen vertraut, aber doch wieder neu. Ob dieses Album ein Erfolg wird, kann man Boytronic nur wün- schen, die Voraussetzungen liefern sie allemal mit diesem Album. Ein wundervoller Auftakt für einen Neustart nach 10 Jahren Albumpause.

Tracklist:

01 Time After Midnight
02 The Universe
03 Mad Love
04 Share
05 My Baby Lost Its Way
06 Jewel
07 Dark Passion
08 Free To Love
09 Big Hands For The Dreamers
10 Disco City
11 New Year‘s Day

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VÖ: 03.11.2017
Genre: New Wave, Synth Pop, Electronic, Pop, Dance
Label: Oblivion (Spv)

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